Forscher: Bleibelastung als Hauptursache für Kriminalität bei Jugendlichen

28. Februar 2005, 13:11
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Umweltgift beeinträchtigt Gehirnentwicklung und ist mit erhöhter Aggression verbunden

Washington - Blei in der Umwelt ist nach Ansicht eines führenden US-Experten eine der Hauptursachen für Kriminalität bei jungen Menschen. Das Umweltgift beeinträchtigt nach Einschätzung des Kinderpsychiaters Herbert Needleman von der Universität Pittsburgh die Gehirnentwicklung bei Heranwachsenden. Needleman hatte in den siebziger Jahren als erster Forscher über die Folgen von Blei auf die Intelligenzentwicklung von Kindern berichtet. Als Reaktion auf diese und andere Studien wurde Blei aus Benzin, Farben und anderen Produkten entfernt.

"Wenn Blei aus der Umwelt in das sich entwickelnde Gehirn gelangt, stört es die neuronalen Mechanismen, die für die Impulsverarbeitung verantwortlich sind. Dies kann zu antisozialem und kriminellem Verhalten führen", sagte Needleman auf der Jahresversammlung der Amerikanischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften (AAAS). "Die Regierung muss mehr dafür tun, Quellen von Blei in der Umwelt auszuschalten."

Studienergebnisse

Zwar ist die Belastung von Kindern mit Blei inzwischen deutlich niedriger als vor 30 Jahren. Die jüngste Studie des Forschers ergab jedoch, dass selbst geringste, in Knochen gemessene Bleikonzentrationen die Gehirnentwicklung beeinflussen.

Bereits 1996 hatte eine Untersuchung von rund 300 Kindern ergeben, dass diejenigen mit den höchsten Bleiwerten verstärkt zu Aggressionen und Aufmerksamkeitsstörungen neigten, selbst wenn die Konzentration unter den von der US-Regierung als unbedenklich eingestuften Grenzwerten lag.

Eine weitere Studie kam im Jahr 2002 zu dem Schluss, dass die Bleikonzentrationen im Körper jugendlicher Straftäter höher waren als diejenigen von anderen Menschen. "Das Gehirn und vor allem die Stirnlappen sind wichtig für die Regulierung von Verhalten", sagte Needleman. "Bleiexposition ist mit erhöhter Aggression, gestörter Aufmerksamkeit und Delinquenz verbunden." (APA/AP)

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