Altersheim statt Schulbank: "Schnuppern" bei Sozialprojekten

24. Oktober 2006, 13:59
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SchülerInnen des Grazer Sacre Coeur leisten im Rahmen des Projektes "Compassion" eine Woche freiwilligen Sozialdienst und lernen Verantwortung und Mitgefühl

Nicht in die Schule, sondern in Altersheime, Integrationskindergärten und psychiatrische Klinikern führte eine Woche lang der Weg von 34 Schülerinnen und Schülern des Grazer Sacre Coeur: Im Rahmen des Projektes "Compassion" sammelten die Siebzehnjährigen kurz vor Semesterschluss fünf Tage lang eigene Erfahrungen in sozialen Einrichtungen. "Es ist einfach schön, Gutes zu tun und hautnah zu erfahren, wie es in den Institutionen zugeht", resümierte eine Schülerin.

Von Caritas bis Nervenklinik

Die traditionsreiche katholische Privatschule hat bereits Erfahrung mit dem Projekt: Zum dritten Mal fand "Compassion" heuer statt - ein Schulprojektidee, die die Deutsche Bischofskonferenz in den neunziger Jahren initiiert hat und mittlerweile auch an einigen wenigen österreichischen Schulen übernommen wurde. Die Schüler des Grazer Sacre Coeur waren täglich durchschnittlich fünf Stunden an den Projektorten. Die Sozialeinrichtung konnten sich die Gymnasiasten aus einer Liste von 13 Anbietern in Graz aussuchen. Zur Auswahl standen von der Caritas über die Landesnervenklinik Sigmund Freud (LSF) bis hin zu Blindeninstituten, einer Notschlafstelle für Männer und einem Flüchtlingswohnheim.

Begeisterte SchülerInnen

Von Seiten der Teenager zeigte man sich nach der "Schnupperwoche" begeistert: "Eine Woche war viel zu wenig. "Es war eigentlich zu kurz um sich alles anzusehen", so eine Schülerin, die ihre Hospitanz an der Landesnervenklinik Sigmund Freud absolviert hat. Projektleiterin Rosa Hirzabauer, die selbst Religion und Mathematik unterrichtet, würde die eine "Schnupperwoche" gerne verdoppeln - allerdings dürfe man nicht vergessen, dass gerade in der siebenten Klasse der Lehrstoff immens sei und wenig Zeit für solche sozialen Aktivitäten übrig blieben, so die Lehrerin.

Erfahrungen aufarbeiten

Vor dem Projekt wurden die Schüler im Unterricht vorbereitet, danach gab es einen "Reflexionstag": Eindrücke sollten ausgetauscht und die Erfahrungen gemeinsam mit den Lehrer aufgearbeitet werden. Im Rückblick zeigen sich die Schüler im Gespräch mit der APA durchwegs angetan obwohl sie zum Teil "mit gemischten Gefühlen" an ihre Praktikumsplätze gegangen waren: "Von alleine hätte ich das sicher nicht gemacht, jetzt überlege ich mir allerdings, ob ich dort nicht ein Ferialpraktikum mache oder mich zum Zivildienst dort melde", so ein Bursche, der in einem Integrationskindergarten hospitiert hat.

"Meine Vorstellungen waren ganz anders, als ich es dann in der Praxis erfahren habe", erzählt eine Schülerin über ihre Eindrücke in einem Seniorenheim: So habe sie - wider Erwarten - "weder Gestank noch eine unfreundliche Umgebung" vorgefunden. Und sie habe auch gelernt Rückschläge einzustecken: "Denn das Lachen eines alten Menschen, das ich bewirkt habe, wiegt vieles auf", so die Schülerin. (APA)

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    Gutes tun und neue Eindrücke sammeln - die SchülerInnen waren begeistert

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