Schiitisches Aschura-Fest von Anschlägen überschattet

21. Februar 2005, 12:56
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Mindestens 91 Tote und über 100 Verletzte

Bagdad - Die Serie blutiger Anschläge zum schiitischen Ashura-Fest hat mindestens 91 Menschen das Leben gekostet, rund hundert wurden verletzt. Politiker der Schiiten, die zum ersten Mal in der modernen Geschichte des Iraks die Macht in dem Land übernehmen werden, betonten aber, sie wollten einen Bürgerkrieg unter allen Umständen verhindern. Die Anschlägen seien der Versuch, einen Religionskrieg im Irak auszulösen, sagte Mouwafak al Rubaie, der Nationale Sicherheitsberater der noch amtierenden Übergangsregierung.

"Aber die Iraker werden das nicht zulassen", sagte Rubaie. " Im Irak wird kein Glaubenskrieg ausbrechen." Die von der schiitischen Geistlichkeit unterstützte Vereinigte Irakische Allianz, der auch Rubaie angehört und die bei den Wahlen Ende Jänner fast die Hälfte der Stimmen erhielt, wird wohl Anfang der Woche über den neuen Ministerpräsidenten entscheiden. Die Schiiten stellen rund 60 Prozent der Bevölkerung im Irak, die Sunniten, die unter dem gestürzten Machthaber Saddam Hussein oft führende Positionen innehatten, rund 20 Prozent. Die Aufständischen rekrutieren sich meist aus Kreisen der Sunniten.

Die Anschläge am Freitag und Samstag zum Höhepunkt des schiitischen Ashura-Fests richteten sich meist gegen schiitische Moscheen, Prozessionen und auch gegen die irakischen Sicherheitskräfte. Diese hatten mit drastisch verschärften Sicherheitsvorkehrungen, zum Beispiel der Schließung der Landesgrenzen, versucht, ein Blutbad wie im Jahr zuvor zu verhindern, als bei Anschlägen zum Aschura-Fest in Bagdad und Kerbela 181 Menschen getötet wurde. Trotzdem gab es Samstag bei acht Selbstmordattentaten 55 Tote, am Freitag kamen bei ähnlichen Angriffen 36 Menschen ums Leben.

In mehreren Städten im Westen von Bagdad in der Provinz Anbar starteten US-Marineinfanteristen und irakische Soldaten am Sonntag eine Offensive gegen die Aufständischen. Es galt ein Ausgehverbot. In Anbar war erst am Samstag wieder ein US-Soldat getötet worden. Die Zahl der Toten in Reihen der US-Streitkräfte stieg damit seit Beginn des Kriegs im März 2003 auf 1.477, wie die Nachrichtenagentur AP ermittelte.

Die irakischen Behörden meldeten die Festnahme von zwei Anführern der Aufständischen. Sie sollen die Kämpfer in den Städten Bakuba und Mosul (Mossul) angeleitet haben. Der in Bakuba festgenommene Haidar Abu Bawari soll ein enger Vertrauter des Jordaniers Abu Mussab al Zarqawi sein, der die Gruppe Al Kaida im Irak leitet.

In Bagdad war am Samstag auch eine fünf Mitglieder umfassende Delegation des US-Kongresses zu Gast bei der irakischen Regierung in der schwer bewachten Grünen Zone. Dort ist auch der Sitz der US-Botschaft. Unter den Gesandten war auch die New Yorker Senatorin Hillary Clinton, die Frau von Expräsident Bill Clinton. Sie erklärte, sie sehe in den vielen Selbstmordattentaten das Eingeständnis des Scheiterns der Aufständischen.

In der irakischen Hauptstadt kamen am Sonntag auch Vertreter sunnitischer Parteien zusammen, um über ihre Beteiligung am künftigen politischen Prozess und der Ausarbeitung der Verfassung zu beraten. Teilnehmen wollte auch der irakische Übergangspräsident Ghazi al-Yawer, der mit seiner Partei fünf Sitze erreichte. (APA/AP/dpa)

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    Tausende Shiiten feiern unter dem Schatten mehrerer Anschläge das Ashura-Fest.

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    Wegen des schiitischen Feiertags Ashura bleiben die Grenzen des Iraks bis Dienstag teilweise geschlossen.

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