Abhörungen "technisch unmöglich"

24. Februar 2005, 13:49
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OÖN: Büro für interne Angelegenheiten kann 32 Personen nicht auf einmal belauschen, da es nur über vier "IMSI- Catcher" verfügt

Wien - Der Vorwurf von Landeshauptmann Jörg Haider (F), dass er und 31 andere Kärntner Persönlichkeiten abgehört wurden, könnte sich schon allein aus technischen Gründen als unrichtig herausstellen. Zumindest berichten das die "Oberösterreichischen Nachrichten". Deren Informationen zu Folge hätte das beschuldigte Büro für interne Angelegenheiten (BIA) im Innenministerium nicht die techischen Möglichkeiten für solch eine Aktion.

Technisch unmöglich

32 Personen illegal abzuhören, gehe schon rein technisch gar nicht, sagte dazu der "Überwachungsexperte" des Netzbetreibers t-mobile, Klaus Steinmaurer, den OÖN auf Anfrage. Denn für eine funktionierende Telefonüberwachung sei es nötig, dass der jeweilige Netzbetreiber mitspiele - und dies funktioniere nur auf legalem Weg.

Das System dabei ist so strikt, dass eine illegale Überwachung fast denkunmöglich erscheint. Denn damit die Fahnder des Innenministeriums lauschen können, brauchen sie einen Staatsanwalt, der eine solche Telefonüberwachung beantragt. Über den Antrag entscheidet dann ein dreiköpfiger Richtersenat der Ratskammer. Erst dann könne man zum Netzbetreiber gehen.

Funktioniert heute nicht mehr

Und bei einer nicht genehmigten Telefonüberwachung im Keller sitzen und einfach die Leitungen anzuzapfen, funktioniere heute nicht mehr. Dafür brauche man einen so genannten IMSI-Catcher, der dem überwachten Handy eine Sende- und Empfangsstation vortäusche. Die von dem Mobiltelefon geführten Gespräche laufen dann nicht mehr direkt zur nächsten Sende- und Empfangsstation des Netzbetreibers sondern zunächst zum IMSI-Catcher.

Nur vier Spezialgeräte im Einsatz

Mit solch einem Gerät kann immer nur ein Handy überwacht werden. Das heißt, um, wie von Haider behauptet, 32 Kärntner Persönlichkeiten abzuhören, müsste das BIA über 32 solcher Spezialscanner verfügen. In Österreich sind aber nur vier Stück dieser Geräte, von denen jedes rund 300.000 Euro kostet, im Einsatz. Zwei hat das Heeresnachrichtenamt, zwei das Innenministerium. Das von Haider unter Beschuss genommene BIA verfügt über keinen einzigen IMSI-Catcher, die beiden Innenministeriumsgeräte sind beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung im Einsatz. (APA)

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    Die von Haider gehörten Abhörungen gehören in den Bereich des technisch Unmöglichen, so die OÖN.

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