Erneut "freies Geleit" für Tibor Foco

21. Februar 2005, 13:27
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Justizministerium: "Es gibt keinen Grund ihn zu inhaftieren" - mit Chronologie

Linz/Wien – Knalleffekt im Fall Foco: Justizministerin Karin Miklautsch sicherte dem flüchtigen, mutmaßlichen Prostituiertenmörder und Exrennfahrer bei einer Rückkehr nach Österreich "freies Geleit" zu.

Kein Grund für Haft

Die Ministerin habe in einem Gespräch im Rahmen eines Bürgertages am Linzer Landesgericht betont, dass ihr seit April 1995 untergetauchter Sohn im Falle seiner Rückkehr ab sofort nicht mehr in U-Haft komme, berichtet Christine Foco im STANDARD-Gespräch. Bestätigt wurde dies auch vonseiten des Justizministeriums: "Wenn Herr Foco einen offiziellen Antrag auf freies Geleit stellt, so wird er es auch bekommen. Es gibt keinen Grund ihn zu inhaftieren", erklärte Sektionschef Werner Pürstl.

Eine generelle Einstellung des Verfahrens habe Miklautsch – so Christine Foco – aber ausgeschlossen, da es nach wie vor eine rechtskräftige Anklage gebe. Entsprechend erstaunt über die jüngste Entwicklung zeigte sich auch der Linzer Strafrechtsprofessor und Foco-Anwalt Herbert Wegscheider: "Nach so vielen Jahren scheint jetzt endlich wieder Bewegung in den Fall zu kommen."

Chance auf Rückkehr

Die Entscheidung, ob er einen Antrag stelle werde, falle erst nach einem Gespräch mit den Eltern. "Es gibt aber jetzt eine reelle Chance, dass Tibor Foco tatsächlich zurückkommt", so Wegscheider. Zweite Chance Dabei ist es nicht das erste Mal, dass man Foco freies Geleit gewährt.

Im August 1997 stimmte das Justizministerium einem entsprechenden Antrag unter der Voraussetzung einer 100.000-Schilling- Kaution zu. Foco ließ die Frist bis zum ersten Oktober aber verstreichen, ohne zu erscheinen. "Mein Mandant hatte dafür gute Gründe. Die steckbriefliche Fahndung war noch aufrecht und es gab Morddrohungen", erklärte Anwalt Wegscheider rückblickend.

Ende der Fahndung

"Stimmt so nicht", kontert Oberösterreichs Sicherheitschef Alois Lissl. Es habe damals massive Anschuldigungen von Foco gegen Exekutivbeamte gegeben, die Rede war von "Rachegelüsten". Wenn das neuerliche "freie Geleit" offiziell bestätigt wird, werde vom Gericht auch umgehend der Haftbefehl gegen Foco eingestellt und die Fahndung beendet, so Lissl. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 18.02.2005)

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    Tibor Foco bei seinem Prozess 1997

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  • ...und wie er heute aussehen könnte (oben und unten)
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    ...und wie er heute aussehen könnte (oben und unten)

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