Fischer als "Türöffner" in Indien

18. Februar 2005, 13:14
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"Einmal sehen ist besser als zehnmal hören", meinte Heinz Fischer und begann in Indien den ersten Staatsbesuch seiner Amtszeit außerhalb Europas

Er ist mit einer beachtlichen Entourage angereist, der österreichische Bundespräsident: Nebst seiner Frau Margit wird Fischer auf seinem siebentägigen Staatsbesuch - dem ersten eines österreichischen Präsidenten in Indien überhaupt - von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl begleitet. Ebenfalls mitgereist sind die Vertreter von mehr als 50 österreichischen Firmen sowie die beiden Landeshauptleute Herwig van Staa und Gabriele Burgstaller.

Die Zusammensetzung der Delegation gibt schon Aufschluss über den eigentlichen Zweck dieses Besuches: weniger Politik als Wirtschaft. Bereits bei seiner Ankunft in Neu-Delhi machte Fischer deutlich, dass es ihm in erster Linie um den Ausbau der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kooperation gehe. Fischer ist - wie es Wirtschaftsminister Bartenstein ausdrückte - als "Türöffner für die österreichische Wirtschaft" nach Indien gereist.

Als erster offizieller Termin stand am Donnerstagmorgen der feierliche Empfang im Hof des Rhastrapati Bhavan, dem ehemaligen Palast der englischen Vizekönige und heutigem Amtssitz des indischen Präsidenten, auf dem Programm.

Die üblichen Ehrenbezeugungen bei solchen Gelegenheiten wie Böllerschüsse, Militärmusik, eine aus Einheiten von Heer, Luftwaffe und Marine gebildete Ehrengarde und natürlich die imposante Kulisse des Rhastrapati Bhavans selbst sowie die farbigen Uniformen der berittenen Präsidentengarde trugen alle zum einmaligen Ambiente beim offiziellen Willkommen bei. Einzig der Händedruck zwischen den beiden Präsidenten entsprach nicht ganz dem Protokoll. Präsident Kalam nämlich holt zum Händedruck mit links aus. Seinen rechten Arm trägt er seit einem Sturz vor wenigen Tagen, bei dem er sich das rechte Schlüsselbein brach, in einer Schlinge.

Nach dem ersten Gespräch mit Präsident Kalam und dem ebenfalls anwesenden Premierminister Manmohan Singh folgte dann der zweite offizielle Akt: Ein Besuch des Rajghat, der Gedenkstätte für den Vater der indischen Nation, Mahatma Gandhi. Hier am Ufer des Yamuna-Flusses war die Leiche von Gandhi, der am 30. Januar 1948 von Hindu-Fanatikern ermordet wurde, nach hinduistischem Ritual auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden. Zu Ehren Gandhis, des Propheten der Gewaltlosigkeit, legte Fischer einen Kranz nieder.

Zur Mittagszeit traf sich Fischer dann mit dem indischen Premier Manmohan Singh. Ein Thema bei diesem Treffen war die strategische Partnerschaft zwischen Indien und der EU. Singh warb dabei auch um österreichische Unterstützung für den von Indien geforderten ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Bei einem Wirtschaftsforum unterzeichnete Bartenstein später ein Abkommen über Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich, mit einem Staatsbankett ging der erste Besuchstag zu Ende. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2005)

Von Peter Isenegger aus Neu-Delhi
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    Empfang in Neu-Delhi: Indiens Staatschef Kalam (re.) reicht Margit Fischer die linke Hand - die rechte steckte in einer Schlinge. Premier Singh kam mit zum Empfang.

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