Das Jahr der Entscheidung

20. Juli 2005, 15:13
7 Postings

Manche können schon darauf zurückblicken, aber viele haben es noch vor sich. Das Jahr, indem man sich entscheiden muss, ob man weiter in die Schule geht oder eine Lehre anfängt. Ein Stimmungsbild

In der 4. Klasse einer Hauptschule stellt sich jeder die Frage, was er nach diesem Jahr weitermachen soll. Ich war für euch in so einer Klasse und habe herausgefunden, dass sogar mehr als die Hälfte noch unschlüssig über die Wahl ihrer Ausbildung ist. Viele haben mir gesagt, dass es schwer ist sich zu entscheiden, da man in diesem Alter meist noch nicht weiß, welchen Beruf man später ausüben möchte. Viele wollen aber auch eine Lehre anfangen, weil sie keine Lust mehr haben in die Schule zu gehen.

Hilfe bieten die zahlreichen Berufsinformationsmessen in den Bundesländer, die den Schülern die Wahl erleichtern sollen. Man glaubt nicht, wie viele neue Möglichkeiten sich auf so einer Messe bieten. Wenn man seinen Traumberuf gefunden hat, ist es für viele kein Thema mehr ob sie nun eine Lehre machen, oder weiter zur Schule gehen, um diesen Beruf ausüben zu können. Meist sind solche Veranstaltungen die letzte Hoffnung für Unentschlossene. Hat man diese Entscheidung hinter sich und hat die richtige Ausbildung gefunden, stellt sich einige Jahre nach dem Beginn die Frage, ob man die richtige Wahl getroffen hat.

Das Für und Wider

Auf der Linzer Landstraße habe ich für euch recherchiert, für welche Ausbildung sich andere Jugendliche entschieden haben, und wie zufrieden sie mit ihrer Wahl sind. Im Großen und Ganzen ist zu sagen, dass die Mehrheit der Befragten eine Berufsbildende Schule mit Maturaabschluss bevorzugt, anstatt eine Lehre abzuschließen. Grund dafür, sagen sie, seien die großen Möglichkeiten die man nach der Matura hat. Entweder man studiert oder steigt sofort ins Berufsleben ein. Nach einer Lehre ist es nicht möglich zu studieren. Ansonsten müsste die Matura nachgeholt werden - und diesen Aufwand wollen viele nicht auf sich nehmen. Gewisse Berufe können aber auch nur nach einer Lehre ausgeübt werden.

Ein weiterer Punkt, der angesprochen wurde, ist, dass man als Lehrling bereits selber Geld verdient. Man ist nicht mehr auf die Eltern angewiesen. Jeder weiß, dass Schüler meist knapp bei Kasse sind. Für sie ist es meist ein Graus sehen zu müssen, dass gleichaltrige Lehrlinge viel mehr Geld haben. Dieses Geld kann für die unterschiedlichsten Sachen ausgegeben werden. Viel fortgehen oder ein kleiner Urlaub sind kein Thema. Schüler müssen ihr Taschengeld lange sparen um ohne Eltern verreisen zu können.

Und dies ist aber genau das, was jeder will: Unabhängig sein. Sich nicht von jemandem etwas sagen lassen zu müssen. Schüler sind oft an ihre Eltern gebunden und müssen ständig fragen wenn sie Geld brauchen. Aber nicht jeder hat so spendable Eltern. Das kann auch schon mal zu Konflikten führen. Viele Eltern meinen auch, dass einem alles bezahlt wird, solang man zur Schule geht. Ab dem Zeitpunkt wo man arbeiten geht, muss man sich alles selber bezahlen. Darum muss abgewogen werden, wo man wirklich mehr Geld bekommt. Aber dieser Grund sollte nicht entscheidend für die Wahl der Ausbildung sein - Viel wichtiger ist es, zu entscheiden was man wirklich will. Gerade dies fällt aber den meisten so schwer.

Das Vorurteil von faulen Lehrling

Hin und wieder ist die Entscheidung aber auch sehr leicht. Schüler, die schon in der Hauptschule nicht so gute Noten haben, entscheiden sich meist für eine Lehrstelle. Es ist zu beobachten, dass Jugendliche nicht unbedingt schlechte Lehrlinge sind, nur weil sie in der Schule versagt haben. Vielen fällt es leichter Sachen praktisch zu erlernen, anstatt in der Theorie. Die paar Wochen Berufschule sind nur eine kleine Hürde, im Gegensatz zu den fünf Jahren in einer Berufsbildenden Schule. Und als fleißiger Lehrling kann man es genauso zu etwas bringen. Leider ist es eine viel verbreitete Meinung, dass Lehrlinge zu faul für die Schule sind und nichts leisten können. Sie wählen aber nur einen anderen Weg der Ausbildung, die meiner Meinung nach auch gewürdigt werden soll. Denn wenn man in der Schule nicht fleißig ist, bleibt der Erfolg aus. Also ist es egal, wo man seinen Fleiß beweist.

Das Resümee daraus

Am aller Wichtigsten ist es, egal für welche Ausbildung man sich auch entschließt, seine Entscheidung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen - denn das würde man später einmal bereuen.

Von Michael Heininger

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mit 14 haben viele Jugendliche erst mal genug vom Lernen reiner Theorie und überlegen sich, eine Lehre zu beginnen

Share if you care.