Gehirnforschung und ihre gesellschaftlichen Folgen

17. Februar 2005, 16:44
posten
Vom 24. bis 27. Februar 2005 findet in Graz (FH JOANNEUM) die 14. wissenschaftliche Arbeitstagung der internationalen Gesellschaft für Gestalttheorie statt: "Werte, Sinn und Tatsachen: Diktiert die Gehirnforschung ein neues Bild von Mensch und Gesellschaft?"

Inhalt

Immer öfter werden für gesellschaftliche Fragestellungen neurowissenschaftliche Erklärungsmodelle herangezogen. Das erweckt den Eindruck, dass die Hirnforschung die Wissenschaft vom Menschen revolutioniert und auf eine völlige neue Basis gestellt hätte. Die Erfolge auf diesem Gebiet sind aber eher methodischer als inhaltlicher Natur. Denn die neuen Untersuchungsmethoden ermöglichen lediglich eine differenziertere Abbildung und Analyse physiologischer Prozesse im Gehirn. Die daran anknüpfenden Erkenntnisse der Hirnforschung werden jedoch oft unkritisch auf Anwendungsfelder wie Psychiatrie, Psychotherapie und Pädagogik übertragen.

So scheint, wenn deterministische Hirnprozesse menschliches Verhalten bestimmen, die Willensfreiheit des Menschen in Frage gestellt. Solche Schlussfolgerungen enthalten gesellschaftspolitischen Zündstoff und haben enorme Auswirkungen etwa auf die Beurteilung der Entwicklungs-, Urteils- und Schuldfähigkeit des Menschen.

Diskussion

Öffentliches Streitgespräch, Freitag 25.2., 19.30 Uhr, Audimax FH JOANNEUM: "Diktiert die Gehirnforschung ein neues Bild von Mensch und Gesellschaft?"
Mit Hans J. Markowitsch, Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld, mit dem Schwerpunkt auf Gedächtnisforschung, Uwe Laucken, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Oldenburg, Franz Mechsner, Neurobiologe und Wissenschaftsjournalist.

Zu dieser internationalen Tagung kommen WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen: von der Wahrnehmungsforschung über die Philosophie, Erziehungswissenschaften, Psychotherapie und Medizin, Psychologie bis hin zur Sprachwissenschaft. Unter anderem auch der aktuelle Viktor-Frankl-Preisträger Jürgen Kriz und der "Vater der computergestützten Handschriftenerkennung" Shelia Guberman.

Tagungsprogramm:
http://www.gestalttheory.net/conv

Ehrenschutz: Elisabeth Gehrer, BM f. Bildung, Wissenschaft und Kultur; Waltraud Klasnic, Landeshauptmann der Steiermark und Siegfried Nagl, Bürgermeister der Stadt Graz.

An der Medizinischen Universität Graz findet in Verbindung damit eine weitere Tagung mit korrespondierendem Thema statt: "Der Mensch als Subjekt in der Medizin". (red)

Share if you care.