Pflichtschullehrer gegen "Schmäh vom Halbtagsjob"

22. März 2006, 16:05
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"Freizeitbetreuung mit einem Auge" nur der Gewerkschaft "zu Fleiß"

Gegen den "alten Schmäh vom Halbtagsjob" wehren sich die Pflichtschullehrer. Sämtliche Aufgabengebiete wie etwa Unterricht, Aufsichtspflicht, Korrektur, Elterninformation seien auf Grund einer gemeinsamen Arbeitszeitstudie des Bildungsministerium, der damals zuständigen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) sowie der Gewerkschaft im derzeit geltenden Dienstrecht festgelegt worden, betonte der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, gegenüber der APA. Selbstverständlich würden Teile dieser Arbeit von den Pädagogen auch an unterrichtsfreien Tagen sowie während der Ferien erledigt.

Der neueste Schrei

Wenn nun einzelne Politiker die Lehrer zu einer längeren Anwesenheit in der Schule verpflichten möchten, geschehe dies "ja nicht, weil sie ihnen bessere Arbeitsbedingungen für die Stundenvorbereitung bieten wollen", so Riegler. Offenbar sei Hefte-Verbessern und das gleichzeitige Aufpassen auf die Schüler der "neueste Schrei" in der Freizeitpädagogik. "Wer so einen Unsinn fordert, hat ganz sicher nicht das Wohl der Kinder im Auge, die sich nach fünf bis sechs Stunden Unterrichtsarbeit auf ihrem Schülersessel im Klassenzimmer kreativ erholen sollen".

Vielmehr gehe es einfach um Geld für qualitative Bildungsangebote, das man sich auf dem Rücken der Lehrer ersparen wolle. Ob die Eltern "Freizeitbetreuung ihrer Kinder mit einem Auge" nur deshalb schätzen würden, weil man damit den Lehrern oder der Gewerkschaft etwas "zu Fleiß" tun könne, werde sich erst zeigen.

Offen für Veränderungen

Die Gewerkschaft werde die von der Regierung geplanten Maßnahmen wie die Vorverlegung der Schuleinschreibung samt Sprachkompetenzfeststellung, die Abschaffung der Zwei-Drittel-Mehrheit für Schulgesetze, ein vermehrtes Angebot an Nachmittagsbetreuung und die Maßnahmen bei der Lehreraus- und -fortbildung mittragen, stellte Riegler klar. Auch für Auswahlkriterien für die Lehrerausbildung sei man offen, wobei solche auch für alle anderen Berufsgruppen gelten sollten.

Die Pflicht der Lehrers zur ständigen Fortbildung sei sowohl seit Jahrzehnten gesetzlich festgelegt und bei den Pflichtschullehrern darüber hinaus sogar mit einem Zeitkontingent im Jahresarbeitszeitmodell festgeschrieben. Wo immer es möglich ist, findet diese auch schon jetzt in der unterrichtsfreien Zeit statt. So bedürfe etwa die Fortbildung in der Unterrichtszeit der Genehmigung durch die Dienstbehörden, so Riegler. Bezüglich der Inhalte der Fortbildung seien die Lehrer aber von den Angeboten der Pädagogischen Institute sowie anderer professioneller Bildungseinrichtungen abhängig. (APA)

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