Selbständigkeit und soziale Sicherheit

18. April 2005, 13:43
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Die AK befragt bei einem Netzwerktreffen atypische Beschäftigte - die Simpsons antworten - Von Heide Hammer

Die Grundschule in Springfield ist bankrott und muss folglich geschlossen werden. Da tritt ein privater Anbieter in Aktion, der durch neue Unterrichtsmethoden die Kreativität der Kinder nutzt. Lisa stellt einen Vertreter dieses als Spielzeugkonzern entpuppten Investors zur Rede und er unterrichtet sie über die Vorzüge dieses neuen Verhältnisses: Letztlich dient alles nur dem Wohl der Kinder, der Konzernbenefit ist lediglich ein Nebeneffekt der Kinderarbeit und diese kommen endlich zu einem Spielzeug, das sie sich wirklich wünschen, 'Die böse Puppe Lustikus'.

Als die Arbeiterkammer am Anfang der Woche zu einer Netzwerkveranstaltung ins Café Prückl lud, kamen viele prekär Beschäftigte, meist gut ausgebildete und wenige Arbeitslose, um vielleicht ihrer Vereinzelung zu entgehen, Mängel und Forderungen zu artikulieren oder eine Vertretung ihrer Interessen kennenzulernen.

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ' ich einen Arbeitskreis
Das war auch einmal und in AK und ÖGB gibt es Initiativen, die Interesse an der größer werdenden Gruppe atypisch Beschäftigter haben. Ein gesellschaftspolitisches Diskussionsforum (gedifo) wurde bereits im April 2000 gebildet und - wie der dreizehnminütige Filmbeitrag von UTV zeigt - in diesem Rahmen ist sehr viel von Netzwerken und Netzwerken und Netzwerken die Rede.

Nachdem die Dokumentation auch im Prückl gelaufen war und noch ehe der open space begann, hatte sich die Gruppe der Gäste auf etwa die Hälfte reduziert. Es war schnell absehbar, dass die Gegenleistung zur Einladung in Form von Ideen und Entwürfen gefordert wäre, was - zugegeben - schon aus der Einladung zu folgern gewesen wäre. Selbst bei gewöhnlich gutem Appetit kann die Arbeitsleistung von gut drei Stunden nicht unmittelbar vernutzt werden, auch wenn die Preisgestaltung des Café Prückl hilfreich wirkt.

Politische Bildung
Der Frustrationseffekt resultiert aus einem Mangel an historischen Kenntnissen über die Herausbildung von Interessensvertretungen aus den Kämpfen um ArbeitnehmerInnenrechte. Differenzierungen in herkömmliche Arbeitsverhältnisse und "neue" Formen der Beschäftigung entsprechen einem politischen Gestaltungswillen. Offene Fragen betreffen nicht den Vertretungsanspruch von AK versus Wirtschaftskammer, sondern Praktiken der Wiederaneignung von sozialen Sicherungssystemen im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Pensionierung und gesetzlich festgelegte Regelungen über Arbeits- und Urlaubszeiten. Nunmehr werden dahingehende Forderungen Organisationen wie ATTAC überlassen, deren Argumentationen vielfach nach Sozialdemokratie klingen, damit aber nur eine Lücke füllen, die diese bereitwillig öffnete.

Warum eine etablierte ArbeitnehmerInnenvertretung nicht aus ihrem reichen Erfahrungsschatz schöpft, sondern wie eine Marketingfirma agiert, blieb am Abend im Prückl zumindest offen. Wem der Hang zur politischen Basisaufklärung fehlt, war auch in den Kleingruppengesprächen nur mäßig motiviert und flüchtete sich in beredetes Schweigen oder bemühtes Konsumieren.

Letztlich fand sich in der Open Micro Secession eine vergrößerte Fraktion der beiden Alten aus der Puppentrickserie Muppet Show, die das Geschehen zu distanzieren versuchten.

  • ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und WKÖ-Präsident Christoph Leitl ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und 
WKÖ-Präsident Christoph Leitl
    online-redaktion/ögb

    ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und WKÖ-Präsident Christoph Leitl

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    WKÖ-Präsident Christoph Leitl

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