"Format": Ermittlungen des Landesgerichts Wiener Neustadt sorgten für Anzeige

18. Februar 2005, 16:01
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Richterlich genehmigte Telefonüberwachung wegen Wirtschaftsdelikten

Wien - Die vom Büro für interne Angelegenheiten (BIA) des Innenministeriums erstattete Anzeige wegen des Verdachts illegaler Parteienfinanzierung im Zusammenhang mit der skandalumwitterten Vergabe des Klagenfurter Fußballstadions basiert auf Ermittlungen des Landesgerichtes Wiener Neustadt gegen eine Ex-Vertriebsfirma eines Energydrink-Unternehmers, gegen die eine richterlich genehmigte Telefonüberwachung gelaufen ist. Dies berichtet das Wirtschaftsmagazin "Format" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.

Laut "Format" hat die BIA am 8. Februar bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Anzeige erstattet, in der Indizien für Amtsmissbrauch, Bestechung, Verrat von Amtsgeheimnissen, Weitergabe von Informationen in Vergabeverfahren und der Verdacht illegaler Parteienfinanzierung angezeigt werden. Die Informationen stammen laut dem Magazinbericht aus einer richterlich genehmigten Telefonüberwachung, die vom Landesgericht Wiener Neustadt wegen Wirtschaftsdelikten gegen Alfred Inzinger, Chef der "Power Horse International HandelsgmbH", geführt werden.

Wie "Format" weiter berichtet, soll in diesem Zusammenhang Franz Widrich, der Chef des Klagenfurter Konzerthauses, ehemalige Mitarbeiter von Landeshauptmann Jörg Haider und Mitglied der Vergabekommission zum Bau des Klagenfurter Stadions, unter Verdacht geraten sein. "Format" zitiert Huberta Gheneff-Fürst, die Anwältin Widrichs, mit den Worten: "Ich habe von diesem Verdacht gehört, den mein Mandant allerdings entschieden zurückweist. Er kennt zwar Herrn Inzinger, mehr aber auch nicht."

Die BIA habe bereits zuvor Ermittlungen gegen Kärntner Gendarmen geführt, um die es im Zusammenhang mit dem Stadionskandal Gerüchte wegen illegal abgehörter Telefonate gegeben hat.

Laut der "Format" vorliegenden Strafanzeigen des Innenministeriums soll der FPÖ-Bürgermeister von Maria Wörth, im Brotberuf Gendarm, um läppische 29,07 Euro zuviel an Überwachungsgebühr verrechnet haben. Angeblich abgehörte Telefonate zwischen ihm und Kommissionsmitglied Widrich haben Jörg Haiders Spitzelvorwürfe ins Rollen gebracht. Der Leiter der Gendarmerie in Krumpendurf, soll laut BIA-Strafanzeige in elf Sachverhalten Beträge in der Höhe zwischen 0,38 und 3,68 Euro "ungerechtfertigt zum Nachteil der Republik" verrechnet haben.

Aus einer "Format" vorliegenden Sachverhalts- darstellung an die Staatsanwaltschaft ginge außerdem hervor, dass Kärntens Landeshauptmann bereits seit 21. Dezember des Vorjahres über haarsträubende Mängel des Vergabeverfahrens informiert war. Darin werde auf Basis eines Gutachtens unter anderem darauf hingewiesen, daß der gesamte Vergabevorgang zu platzen drohe.

"Power Horse Energy Drinks" nicht involviert, Ex-Vertriebsfirma schon

Das Unternehmen "Power Horse Energy Drinks GmbH" legt Wert auf die Feststellung, nicht in die angebliche Abhöraffäre rund um die Vergabe des Klagenfurter EM-Stadions involviert zu sein. Geschäftsführer Walter Schönthaler betonte am Freitag gegenüber der APA, dass bei seinem Unternehmen kein Telefon überwacht worden sei. Bei dem überwachten Unternehmen handle es sich um die "Power Horse International HandelsgmbH" Alfred Inzingers, mit der sein Energy-Drink-Unternehmen nichts zu tun habe, stellte Schönthaler klar.

Das Nachrichtenmagazin "Format" hatte berichtet, dass gegen das Unternehmen Inzingers wegen diverser Wirtschaftsdelikte ermittelt werde und deshalb eine genehmigte Telefonüberwachung stattgefunden habe. Dabei seien die Fahnder durch Zufall auf jene Informationen gestoßen, die nun via Anzeige des Büros für interne Angelegenheiten (BIA) des Innenministeriums bei der Staatsanwaltschaft gelandet seien.

Schönthaler stellte klar, dass seine "Power Horse Energy Drinks GmbH" ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der "Spitz"-Firmengruppe sei. Inzinger habe bis März 2003 Power Horse Drinks in einigen Ländern des Mittleren Ostens vertrieben. Nachdem dessen Vertriebsfirma in Zahlungsrückstände von mehreren Millionen Euro geraten sei, habe die Spitz GmBH die Geschäftsverbindung mit dem Unternehmen beendet.

Die Power Horse Drinks werden derzeit in mehr als 30 Ländern vertrieben. Im österreichischen Lebensmittelhandel wird die Marke derzeit eingeführt. Im April soll dazu eine Marketingkampagne beginnen. (red/APA)

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