VP gegen "Theaterdonner" um Schulgeld

4. Mai 2005, 20:30
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Bildungssprecher Amon gegen Verpflichtung von ausländischen Kindern zu Vorschuljahr - Gegen FP-Vorschlag zur längeren Anwesenheit der Lehrer

Für "Theaterdonner" hält ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon die von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer losgetretene Debatte um die Einführung von Schulgeld. Gleichzeitig sprach er sich bei einer Pressekonferenz am Donnerstag gegen den beim Reformdialog präsentierten Regierungsvorschlag aus, ausländische Kinder bei Sprachdefiziten zu einem Vorschuljahr zu verpflichten. Auch vom FPÖ-Vorschlag zur Verlängerung der Anwesenheitspflicht der Lehrer an der Schule hält er nichts. Damit werde nur der Neidkomplex geschürt, so Amon.

Sanfter Druck

Bei der Verpflichtung ausschließlich ausländischer Kinder mit Sprachdefiziten zu einem Vorschuljahr sieht Amon verfassungsrechtliche Schwierigkeiten. Gleichzeitig müsse man sich aber überlegen, wie man es mit "sanftem Druck" schaffe, dass Kinder mit sprachlichen Defiziten ein solches Vorschuljahr mit entsprechender Sprachförderung auch annehmen.

Laut "Road Map" der Regierung soll bis zum Sommer die Zwei-Drittel-Mehrheit für Schulgesetze fallen und die ab September 2006 in Kraft tretende neue Abgeltung für Klassenvorstände an den Pflichtschulen beschlossen werden. Außerdem will die ÖVP die Rohdaten zur PISA-Studie einsehen und ebenfalls bis Sommer eine Detailanalyse.

Fortbildung und Förderung

Im Herbst 2005 soll schließlich ein Reformkonzept mit mittel- und langfristigen Maßnahmen vorgelegt werden, darunter etwa die Vorverlegung der Schuleinschreibung um ein halbes Jahr und das bedarfsorientierte Anbieten des Förderunterrichts. Auf Schiene gebracht werden soll auch die verpflichtende Lehrerfortbildung inklusive einer entsprechenden Evaluierung der Angebote.

Derzeit sei es zwar gut, dass sich 30 Prozent der Lehrer weiterbilden, allerdings weniger gut, wenn das immer die gleichen seien. Die Schulaufsicht soll statt eines "Kontrollinstruments aus der Monarchie" zu einer Controlling-Einrichtung im betriebswirtschaftlichen Sinn werden. Als Aufgaben schweben Amon etwa Evaluierung, Coaching und die Einleitung von Konsequenzen vor - etwa wenn Bildungsstandards über einen vorgegebenen Zeitraum nicht erreicht werden.

Zick-Zack-Kurs

Kritik übte Amon am "bildungspolitischen Zick-Zack-Kurs" Gusenbauers. Bei seiner Forderung nach Festschreibung der Schulgeldfreiheit in der Verfassung mute "es ein wenig eigenartig an", dass eine solche von den beim Reformdialog anwesenden hochrangigen SPÖ-Politikern nicht erhoben worden sei. Zum Glück habe diese Positionierung Gusenbauers aber nicht lange gehalten, meinte Amon, da dieser in der "ZiB2" dann erklärt habe, die Zwei-Drittel-Mehrheit in jedem Fall abschaffen zu wollen. Allerdings zeige dieser Positionswechsel, wie schwierig die Zusammenarbeit mit der SPÖ in bildungspolitischen Fragen sei.

Lob gab es hingegen für den burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl (S). Dessen Forderung, dass man die Gesamtschule als zusätzliches Angebot neben AHS-Unterstufe und Hauptschule anbieten solle, sei zu begrüßen, weil damit ja weiter dem ÖVP-Wunsch nach Differenzierung entsprochen werde. (APA)

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