Laborgewebe fürs Herz

21. Februar 2005, 22:03
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Erste Hinweise auf einen positiven Effekt solcher Behandlungen - Kongress in Deutschland

Hamburg - Die am Beginn euphorischen Hoffnungen sind verflogen, doch es gibt langsame Fortschritte: Beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Herzchirurgie in Hamburg wurden vor einigen Tagen Projekte vorgestellt, mit denen kranke Herzen durch Gewebe aus dem Labor repariert werden sollen. Immerhin gibt es erste Hinweise auf einen positiven Effekt solcher Behandlungen bei Patienten.

"Der Traum vom 'nachwachsenden Herzen' oder von der Reparatur beschädigter Organe mit körpereigenem Material rückt ein Stück näher an die Realität", sagte beispielsweise der deutsche Experte Univ.-Prof. Dr. Gustav Steinhoff von der Universität Rostock bei einer Pressekonferenz zum Thema Stammzellen-Therapie. Im Rahmen der ersten und deutschlandweit größten klinischen Studie zur Stammzellen-Therapie bei chronischer Herzschwäche wird derzeit in Rostock an insgesamt hundert Patienten getestet, ob sich körpereigene Stammzellen an der Reparatur beschädigter Herzen beteiligen können.

Ergebnisse

Steinhoff: "40 Operationen erfolgten bereits, und die Ergebnisse sind viel versprechend. In Nachuntersuchungen nach drei Jahren bestätigte sich, dass die Leistung beschädigter Herzen nachhaltig verbessert werden konnte. Diese Therapieerfolge bedeuten Hoffnung für Patienten mit Herzinfarkten sowie einen weiteren wichtigen Schritt für die Regenerative Medizin." Wurde lange Zeit davon ausgegangen, dass durch einen Herzinfarkt geschädigtes Gewebe irreparabel verloren sei, gelang dem Experten und seinem Team mit ihrer Studie der Nachweis, dass "sich abgestorbenes Herzgewebe zumindest teilweise erholen kann."

Eine andere Anwendung der modernen Zellkulturtechniken ist die Züchtung von funktionsfähigem Gewebe aus körpereigenen Zellen zur Reparatur geschädigter Herzklappen oder anderer Strukturen des Herzens oder der Luftröhre. "Gute Fortschritte machen derzeit die Studien zum Tissue Engineering von Herzklappen", berichtete Univ.-Prof. Dr. Axel Haverich.

Klappen

Das im Bioreaktor hergestellte Gewebe wird mit der Zeit dem natürlichen Umfeld immer ähnlicher. "Hier sind im Wesentlichen die Herzklappen, Herzmuskel und die Luftröhre Ziel der gegenwärtigen Untersuchungen", führte der Herz- und Transplantationschirurg von der Medizinischen Hochschule Hannover aus.

So zum Beispiel versuchen die Wissenschafter, von Verstorbenen oder aus Tieren gewonnene Herzklappen mit Zellen des zukünftigen Empfängers zu besiedeln. Zur Anwendung wird das wahrscheinlich auch bei Kindern mit Klappen-Missbildungen kommen, die anders nicht behoben werden können. Haverich: "Erste klinische Versuche legen nahe, dass diese Klappen nach Implantation im Kindesalter in der Tat mit dem Patienten mitwachsen." (APA)

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