Gewalt-Darstellungen machen Kinder aggressiv

19. Februar 2005, 20:00
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Studie stellt "zwar kleinen, aber signifikanten" Effekt auf vor allem jüngere Buben fest

Birmingham - Aggressive Fernsehprogramme und Videospiele machen Kinder aggressiv. Am stärksten betroffen sind davon Buben, die auch noch in schlechten Familienverhältnissen leben. Das ist das Ergebnis der Analyse von sechs amerikanischen Studien zu diesem Thema, die von einem Team um Univ.-Prof. Dr. Kevin Browne von der Abteilung für Gerichts- und Familienpsychologie der Universität Birmingham in Großbritannien durchgeführt wurde.

Die Analyse wird in der neuesten Ausgabe der britischen Medizinfachzeitschrift "The Lancet" (18. Februar) veröffentlicht. "Der Effekt (von Gewaltdarstellungen, Anm.) ist zwar klein, aber signifikant und betrifft vor allem Buben", heißt es in einer Aussendung des "Lancet". Jüngere Kinder würden empfänglicher für solche Aggressions-auslösende Reize sein.

Verantwortung der Erwachsenen

Aus einer britischen Untersuchung ergab sich, dass sich Filme mit gewalttätigen Szenen am ehesten bei Jugendlichen auswirkten, die wiederum selbst Gewalterlebnissen in der Familie ausgesetzt waren. Browne betont im Zusammenhang mit seiner Analyse vor allem die Verantwortung der Erwachsenen: "Eltern und Sorgepflichtige sollten beim Medienkonsum genau die selbe Sorgfalt anwenden wie sie das bei dem Gebrauch von Medikamenten oder Chemikalien tun. Fahrlässigkeit mit Medienmaterial, das extrem gewalttätige oder extreme sexuelle Inhalte aufweist, könnte als eine Form der Misshandlung von Kindern angesehen werden."

Es ginge - so der Experte - weniger um "Zensur" als um verantwortungsvolle Begleitung der Heranwachsenden: "Eltern und Verantwortliche sollten mehr auf Erziehung als auf Zensur setzen. Eltern und Lehrer könnten mit den Kindern derartiges Material mit Gewaltdarstellungen ansehen und den Kindern vor allem zu einer kritischen Betrachtungsweise verhelfen (..). Auf diese Weise könnten die Sorgepflichtigen die Auswirkungen der Gewaltdarstellungen verringern." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Aggressive Fernsehprogramme und Videospiele machen Kinder einer Studie zufolge aggressiv (im Bild ein Screenshot eines Spiels).

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