Mit mehr Tempo ins 3G-Jahr

1. März 2005, 18:57
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Auch 2005 erklärt die Handyindustrie das aktuelle Jahr zum "Jahr von 3G" - und wer zu spät kommt, den straft der Markt

Das Ritual ist gut eingeübt: Seit Jahren erklärt die Handyindustrie zum Jahresbeginn, dass das lange gehypte UMTS, inzwischen durchwegs nur noch 3G (für dritte Generation des Mobilfunks) genannt, jetzt auf dem Weg in den Massenmarkt ist.

Mehr Handys als Finger

Was heuer anders ist: Die vorgestellten Endgeräte sind so zahlreich, dass sie nicht mehr an den Fingern einer Hand abgezählt werden können. Und sie können bei Größe, Design, Funktionalität und Batterielebensdauer mit den gängigen Handys in jeder Hinsicht mithalten.

Die meisten Hersteller werden im heurigen Jahr einen Gutteil ihrer Produktpalette 3G-fähig machen; allen voran Motorola, die 2005 mehr als ein Dutzend Handys für das schnelle Netz auf den Markt bringen wollen.

Breite Palette

Sony Ericsson stellte in Cannes zwei neue UMTS-Handys vor, darunter das K600, das gewissermaßen ein 3G-Einstiegshandy ist und vor allem für Stückzahlen sorgen soll. Nokia bringt in wenigen Wochen, wie berichtet, sein erstes Gerät auf den Markt, das für Videocalls tauglich ist. Samsung zeigte eine ganze Palette kleiner, gut designter 3G-Handys.

Mit dieser Bandbereite passiert, was zuvor schon bei Kamerahandys passierte: Neue Geräte werden überwiegend über die 3G-Technik verfügen, gleich ob sich die Käufer bewusst dafür entscheiden oder nur einfach ein hübsches Design aussuchen.

Siemens ist spät dran

Lediglich Siemens wird spät zum Fest erscheinen: Der Chef der Handysparte, Lothar Pauly, musste mit leeren Händen nach Cannes kommen. "Wir sind spät dran", räumte Pauly ein. Die Probleme der Siemens-Handysparte sind bekannt: "Eine Million Euro Verluste am Tag" schreibt der Hersteller, sagte Pauly. Was Siemens dabei besonders schmerzt: Im Bereich der Lieferung von 3G-Netzen sieht sich der Münchner Konzern als Weltmarktführer.

Bei den Nutzerzahlen halten sich die Betreiber derzeit vornehm zurück. Das UMTS-Forum schätzt, dass es weltweit derzeit 16 Millionen Benutzer des schnellen Datendienstes gibt - in absoluten Zahlen viel, in Relation zu weltweit rund 1,3 Mrd. Handybenutzer jedoch gerade ein Prozent. Aber immerhin: Rund 20 Prozent macht der Anteil von Datendiensten am Ertrag von Providern schon jetzt aus - großteils auf Basis des 2,5G-Netzes (so nennt man das aufgerüstete GSM-Netz). Dank 3G soll dies bis 2008 auf 30 Prozent wachsen, schätzt René Obermann, CEO von T-Mobile.

Ganz am Anfang stehen die Betreiber jedoch weiterhin bei der Frage, mit welchen Anwendungen Benutzer zu den Breitband-Datendiensten gelockt werden können. Große Hoffnungen gibt es darum für Datenkarten für den PC, der damit einen mobilen Breitbandanschluss ans Internet bekommt und für Onlinemusik am Handy, die den Datenkonsum steigern helfen soll.(Helmut Spudich aus Cannes/DER STANDARD, Printausgabe vom 17.02.2005)

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