Kommentar: Was der Fan noch wert ist

17. Februar 2005, 17:37
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Der eigentliche Skandal ist nicht die Absage des Spiels zwischen Austria und Bilbao, sondern der Umgang mit treuesten Anhängern

Herr D. war am Mittwoch Abend auf dem Weg ins Wiener Ernst Happel-Stadion. Er ist nämlich Austria-Fan und wollte nach harter Winterpause das lang erwartete Spiel gegen Athletic Bilbao verfolgen. In voller violetter Montur stand er also am Praterstern als es unheilsam durch die Lautsprecher dröhnte: „Eine Fahrt zum Stadion hat keinen Sinn, das Spiel wurde abgesagt“. Zu diesem Zeitpunkt war es 20.15 Uhr, eine halbe Stunde vor Anpfiff. Herr D. war nun ein wenig verärgert, er hatte die Diskussionen über die Austragung den ganzen Tag über die Medien verfolgt und war um 19.30 Uhr nach positivem letzten Gegencheck aufgebrochen.

Nachdem ein Ordner („Morgen, selbe Zeit“) die Stimmung wieder aufgehellt hatte, war der Zeitpunkt gekommen um dem Restaurant, dem Beisl namens Hansy einen seit Jahren aufgeschobenen Besuch abzustatten. Oft war man am Praterstern daran vorbeigefahren, nie hatte man es über die Schwelle geschafft. Diesmal schon und das Altwiener Rezept gegen schlechte Stimmung geordert: Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat. Passt, alles wieder in Ordnung.

Nach winterlicher Odyssee zu Hause angekommen warf Herr D. noch einen Blick in den Teletext. Und pickte rasch an der Decke. Er ist nämlich kein Schönwetter-Fan, er hat für den 24. Februar einen nicht zu stornierenden Flug um 160 Euro nach Bilbao gebucht, das Hotel um 50 Euro pro Nacht bereits bezahlt und die Tickets um 30 Euro für das Auswärts-Spiel in der Tasche. Doch das Match soll just an jenem Tag nicht in Bilbao sondern in Wien stattfinden. Und am 27. Februar soll das Rückspiel in Bilbao über die Bühne gehen - da sitzt Herr D. gerade im Flieger nach Wien, viele seiner Fan-Freunde detto. Dass die Matchkarten nicht zurückerstattet werden, versteht sich ja fast schon von selbst. Zur Verteidigung der Austria sei hinzugefügt: Die Basken bestehen auf das Heimrecht im entscheidenden Aufeinandertreffen.

Herr D. hat eine schöne Lektion in Sachen europäischem Profi-Fußball erhalten: Die UEFA, die Vereine sind am anderen Ende der Kicker-Galaxie angelangt. Sie können, sie wollen die Fans nicht mehr sehen. Und umgekehrt gilt wohl bald das selbe.(Philip Bauer)

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    Die Fans schrubben das Eis und werden im Gegenzug auf selbiges geführt.

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