AT&S verlegt Produktion von Fohnsdorf nach Leoben - Politik schaltet sich ein

18. Februar 2005, 13:40
posten

Androsch: "Kosten senken, wo wir können" - Heftige Kritik von VP-Wirtschaftslandesrat Gerald Schöpfer: Gespräch mit AT&S-Geschäftsleitung am Dienstag

Graz - Die Fertigung des Elektronikkonzerns AT&S soll vom obersteirischen Fohnsdorf im Aichfeld ins Stammwerk ins rund 35 Kilometer entfernte Leoben verlegt werden. Als Zeitpunkt wurde Ende des Jahres 2005 genannt. Dies meldete am Donnerstag die "Kronen Zeitung" in ihrer steirischen Ausgabe.

Laut dem Industriellen und Miteigentümer Hannes Androsch seien die 380 Arbeitsplätze von Fohnsdorf nicht gefährdet, sondern würden nach Leoben verlagert, heißt es in dem Bericht weiter. Die Maßnahme diene zur Absicherung der Leiterplattenproduktion in Leoben-Hinterberg.

Androsch bestätigte am Donnerstag gegenüber der APA die Verlegung der Fertigung vom Werk Fohnsdorf nach Leoben-Hinterberg. Das solle bis Ende 2005 passieren.

"Sehr ernsthafte Überlegungen"

"Meine Äußerungen beziehen sich auf sehr ernsthafte Überlegungen", so der Industrielle Androsch bezüglich der Verlegung der Produktion des Elektronikkonzerns AT&S von Fohnsdorf im Aichfeld ins Stammwerk Leoben-Hinterberg.

"In Leoben haben wir mehr Platz und wir können 3 Millionen Euro sparen", so Androsch. Man habe bei Mobilfunk einen großen Kostendruck von Siemens, die bis zu 16 Prozent Preisnachlässe haben wollten. "Deshalb müssen wir Kosten senken, wo wir können."

Die Beschlüsse von Aufsichtsrat und Vorstand würden noch fehlen, so Androsch. Man habe derzeit mit einem schwachen US-Dollar und einer schwachen Konjunktur zu kämpfen. Was das Werk in Fohnsdorf betreffe, so werde niemand seine Arbeit verlieren.

Was es an Maschinen gebe und brauchbar sei, werde nach Leoben-Hinterberg mitgenommen, dieses Faktum könne auch für eine Modernisierung genutzt werden. Man habe in Fohnsdorf für die Halbleiter-Herstellung auch einen eigenen Brunnen unterhalten müssen, was auch wieder einiges koste.

Busse als Zubringer

Der Forderung des Fohnsdorfer Betriebsratschef nach Führung von Bussen als Zubringer für die Mitarbeiter nach Leoben werde man nachkommen.

Androsch wies darauf hin, dass er und Vorstandsvorsitzender Willi Dörflinger auch Ehrenbürger von Fohnsdorf seien. "Deswegen werden wir auch versuchen den Luftfahrt-Komponentenzulieferer HTP zu erhalten".

Steirische Spitzenpolitik schaltet sich ein

Der steirische Wirtschaftslandesrat Gerald Schöpfer zeigte sich in einer ersten Reaktion am Donnerstag gegenüber der APA "überrascht" über die Verlegung. Schöpfer werde am kommenden Dienstag mit der Geschäftsleitung von AT&S in Graz ein Gespräch führen, wurde aus seinem Büro mitgeteilt.

Auch LH Waltraud Klasnic (V) soll dem Vernehmen nach am Dienstag mit der AT&S-Führung sprechen. Harsch fiel hingegen die Kritik von obersteirischen Landtagsabgeordneten und Bundesräten aus.

Der Wirtschaftslandesrat sei deshalb überrascht, weil dieser in den vergangenen Wochen Kontakt zu Aufsichtsratsvorsitzendem Hannes Androsch gehalten habe. Man werde nun jedenfalls sehen, weil man auch die erst kürzlich gegründete Obersteiermark Agentur aktiv werden lassen könne. Diese Agentur soll sich um die Koordination von Betriebsansiedelungen und Wirtschaftskontakte kümmern und war vor allem auf Betreiben der steirischen ÖVP nach dem Scheitern des Red Bull-Projekts Spielberg eingerichtet worden.

Der Industrielle betonte, dass die im Gefolge des Aus für das Red Bull-Projekt Spielberg angedachten Pläne für einen Luftfahrtcluster im Aichfeld nach wie vor aktuell seien. Diesbezügliche Gespräche bräuchten allerdings Zeit. "Uns wäre es auch lieber gewesen, wenn wir AT&S und den Luftfahrtcluster Rücken an Rücken hätten machen können." (APA)

  • Miteigentümer Hannes Androsch will durch die Schließung in Fohnsdorf bis zu drei Millionen Euro sparen.
    foto: der standard/matthias cremer

    Miteigentümer Hannes Androsch will durch die Schließung in Fohnsdorf bis zu drei Millionen Euro sparen.

Share if you care.