Zwa Brettln, a g'führiger Che

12. Mai 2005, 17:52
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Die beste Alternative zum Einerlei industrieller Skihersteller: Bei Nicola und Erwin Werdenigg kann jedermann seinen ganz individuellen Ski designen

Nicola Werdeniggs Skier sind weiß. Einfach nur weiß - wie Schnee. "Wann immer ich Ski fahren gehe, werde ich am Lift darauf angesprochen", erzählt die ehemalige Skirennläuferin über ihre Idee, individuell gestaltbare Skier für jedermann anzubieten. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen von einem außergewöhnlichen Design - in meinem Fall ein Nichtdesign - sehr angetan waren."

Markenskier haben ein Grundsatzproblem: Ihr Image hat sich verselbstständigt. Klar wie Wodka ohne Feige, welchen Ski etwa der typische Golf-GTI-Lenker oder die Schöne im Glitzeroverall fahren. Der Handel bemerkt davon zugegeben noch wenig, Hermann Maier und Konsorten sorgen für nachhaltige Pistenbegeisterung. Wer Skier haben will, ist aber auf das einfallslose Angebot weniger Großhersteller angewiesen, die sich den Markt teilen.

Nicola und ihr Mann Erwin versuchen mit ihrem "edelwiser" die Alternative zum Einheitsbrei der Industriebretter: schick, sportlich, elegant, verspielt, knallig bunt, schwarz oder weiß - ganz nach Belieben. Vom herkömmlichen Markenski irritiert, entwickelten die beiden - selbst leidenschaftliche Carver - ein Verfahren, mit dem sie Skioberflächen in Fotoqualität herstellen können. Das Aussehen des "edelwiser" bestimmt der Besitzer selbst.

Kuriose Wünsche gibt es zuhauf

"Schäferhunde, Tattoos, Golfbälle", zählt Nicola auf, "ein Bäcker wollte Semmeln." Ein anderer Che Guevaras Antlitz, aber ohne Bindung: Dienten die Stücke doch nur zur Verschönerung des Eigenheims.

Wiewohl es an Frevel grenzt, den "edelwiser" nicht zu fahren: Die Sicherheit, den dieser genial beschleunigende Ski gewährt, bleibt während des gesamten Kurvenverlaufs konstant. Wo andere zu flattern beginnen, zieht der Werdenigg-Ski cool seine Bahn, Stöcke bleiben daheim. Sorgfältigste Handlaminierung und Pressung garantieren, dass keine Unregelmäßigkeiten im Kern auftreten. Zwei Modelle in zwei unterschiedlichen Längen reichen, um für alle Kurven gerüstet zu sein.

Einen anderen Weg gehen die Werdeniggs auch in Marketing und Vertrieb: Ein lachsrosa STANDARD-Ski wurde zum zehnten derStandard.at-Geburtstag unter über 1600 Einsendungen verlost. Über 500.000-mal haben User ein Onlinespiel des ORF heruntergeladen. Wer die virtuelle WM-Abfahrt gewinnt, bekommt ein Paar "edelwiser". Konzerne pressen ihr Firmenlogo auf den "edelwiser" und erheben damit den Werbeträger zum Statussymbol.

Der Kauf wird großteils im Internet abgewickelt. Nach dem Test steht es unter www.edelwiser.com jedem frei, sein Modell zu designen oder aus einem Repertoire auszuwählen. Kostenpunkt: rund 500 Euro.

Ebenfalls im Web stellt die 47-jährige Zillertalerin zurzeit ihre Kompetenz unter Beweis: Unter www.kunstpiste.com moderiert sie mit wechselnden Gästen alpine Skirennen: ganz bestimmt anders als Assinger und Seeger. Und behebt so nebenbei ein weiteres Imageproblem des Skisports. (Doris Priesching/Der Standard/rondo/18/02/2005)

  • Artikelbild
    foto: edelwiser.com
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