Doppelbadewanne

24. Februar 2005, 18:13
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++PRO & CONTRA--: Ein Swimmingpool im eigenen Badezimmer - Oder: Ein Albtraum in altrosa Rüschen

++PRO
Von Mia Eidlhuber

Wer nicht glauben kann, dass der Konkurs des eigenen Vaters auch durchaus positive Auswirkungen auf das eigene Leben haben kann, der irrt. So ein Konkurs generiert nämlich Sehnsüchte. Und weil Sehnsüchte prinzipiell eine gute Sache sind - sie sind der Motor gegen Stillstand, Sättigung und Fadesse - hege und pflege ich meine kleine, persönliche Sehnsucht nach einer Doppelbadewanne, die schwups eines Kindheitstages nicht mehr da war.

Es gibt Leben, die arbeiten auf Doppelwannen im Eigenheim hin, als Ausdruck des ultimativen Luxus. Nur wenige Leben beginnen in einer Doppelbadewanne, und ich sage nur: Das ist auch nicht einfach. Für Kinder sind Doppelwannen so etwas wie ein Swimmingpool im eigenen Badezimmer. Was kann da bitte noch nachkommen?

Man muss die Doppelwanne in einem Alter genießen, wo einem deren Vorzüge noch nicht annähernd einleuchten. Nein, Doppelbadewannen sind nicht zum Schwimmenlernen erfunden worden. Die Frage, die sich später im Leben (ohne eine Doppelbadewanne) so oft stellt: Wer sitzt vorne und wer hinten, heißt auf dem Abfluss oder nicht, hat sich in der prägenden Phase nie gestellt. Heißt, man ist immer der Verlierer, weil man einfach nicht alert genug ist. Manche Dinge im Leben sind am schönsten, wenn man sie haben will. Mit einer Doppelbadewanne im Haus könnte ich bei meiner Vollbadfrequenz nicht mehr ohne schlechtes Gewissen die Grünen wählen. Oder gleich Konkurs anmelden.

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CONTRA--
Von Markus Mittringer

Doppelbadewanne, wie das schon klingt: Nach Honeymoon-Studio mit Himmelbett an der Punta Brava, nach einem Albtraum in altrosa Rüschen. Nach indischer Wellnesskur im Mariazeller Land. Nach Kuschelzimmer samt Dame mit Frischobst und Honig im Bauchnabel. Nach aphrodisierenden Nachessen bei Schmuse-Rock. Nach dezent erotischer Fotografie. Nach Muranoglasschüsseln mit verstaubten Rosen- und Hibiskusblüten an Sandelholz. Nach allem, was man nun wirklich nicht braucht.

Und echt: Was soll man denn noch alles teilen? Man kann doch zumindest ein Vollbad einmal allein nehmen. Und - das ist jetzt ganz wichtig - einmal dabei nichts reden. Es geht ja doch immer haarscharf aneinander vorbei. Die Symbolwelten der Geschlechter aller Länder sind nun einmal nicht kompatibel.

Und was daraus folgt, muss nun echt nicht in der Badewanne stattfinden. Auch wenn Schaum angeblich bremst. Oder denken die Designer da eher an die Möglichkeit zur wechselseitigen Hilfestellung bei hygienischen Maßnahmen? An Partnerunterwasserepilation? An Bimssteintausch im Kerzenlicht? An sinnliches Rückenschrubben?

Und außerdem: Was mit Doppelbadewanne anfängt, endet früher oder später in einem öffentlichen Whirlpool unter widerlich mitteilungsbedürftigen wildfremden Menschen, die sich dort ihre Badehosen samt dem Darunter durchspülen lassen.
(Der Standard/rondo/18/02/2005)

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