Beschränkte Einwanderung, viel Unterstützung

25. Oktober 2006, 14:03
5 Postings

Schule in Kanada: Marokkanische Direktorin, chinesische Lehrerin, türkischer Schulwart

Sicher, Kanada sucht sich seine Einwanderer aus. Und Nationalitäten zählen dabei weniger als "Skills", jene Fähigkeiten, die zur Immigration befähigen. Eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt nur, wer dem Land wirtschaftlich etwas bringt - oder wer einen nahen Familienangehörigen in Kanada hat, der rechtsverbindlich für finanzielle Unterstützung bürgt. Ebenfalls erwünscht: Gesundheit und Jugend. Nur rund 13 Prozent der kanadischen Einwanderer sind Flüchtlinge.

Wenn die jährlich rund 200.000 Immigranten aber einmal im zweitgrößten Land der Erde sind, wird viel für ihre Integration getan. Besonders vonseiten der Schule: "Das ist der beste Ort, um Neuankömmlingen die für sie nötigen Informationen zu geben" ist Peter Dorfman, Koordinator der Integrationsberater in der Provinz Ontario, überzeugt. Eltern können sich auch mit Wohnungs-, oder Arbeitsfragen an einen der "settlement worker" in der Schule wenden.

Linda, selbst 1991 aus China eingewandert, ist eine von ihnen. Eineinhalb Tage pro Woche hilft sie an der Jesse Ketchum School (die auch der aus dem Libanon zugewanderte Schauspieler Keanu Reeves besuchte) Eltern und Kindern, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Die Assistenzlehrerin beschreibt im Gespräch mit dem STANDARD ihre Schüler: "Die meisten sprechen kein Englisch, ihr Umfeld ist allerdings hoch gebildet." Viele beherrschen ihre Muttersprache sehr gut, haben aber begrenzte Englischkenntnisse. Für diese Kinder ist das Programm "Englisch als Zweitsprache" am besten geeignet, berichtet die aus Marokko stammende Direktorin - der türkische Schulwart nickt im Hintergrund zustimmend.

Für diese Initiative gibt es in Ontario sogar eigene Curricula mit individuell adaptierten Lernzielen für nicht englischsprachige Schüler. Unterrichtet wird im Klassenverband; "Wir wollen nicht, dass sie sich ausgegrenzt fühlen", sagt Integrationsberater Dorfman. Wer auch in seiner Muttersprache Probleme hat, besucht das "English Literacy Development"-Programm, um damit Lese- und Schreibfähigkeiten zu verbessern. (DER STANDARD-Printausgabe, 17.2.2005)

Karin Moser aus Toronto
Share if you care.