Trotz Appell der Entführten: Italiens Truppen bleiben

19. Februar 2005, 09:56
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Außenminister Fini nach dramatischer Videobotschaft von Giuliana Sgrena: Keine Änderung an Irak-Strategie

Eine Videobotschaft der im Irak entführten Journalistin Giuliana Sgrena hat am Mittwoch in der italienischen Öffentlichkeit tiefen Eindruck hinterlassen. Millionen sahen das Band, in dem die Reporterin um das Ende der italienischen Irak-Mission zur Rettung ihres Lebens fleht.

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Stark abgemagert und sichtlich mitgenommen fleht Giuliana Sgrena um ihr Leben. Auf einem Video, das am Mittwoch vom italienischen Staatsfernsehen RAI ausgestrahlt wurde, fordert die Journalistin der prokommunistischen Tageszeitung Il Manifesto den Abzug der "Besatzungstruppen" aus dem Irak. Mehrmals verbirgt sie weinend ihr Gesicht in beiden Händen. Sie ruft die Italiener auf, Druck auf die Regierung für einen Rückzug des italienischen Kontingents aus dem Irak auszuüben.

"Bitte, helft mir"

"Bitte, helft mir", fleht die mit einem hellgrünen Kittel bekleidete Journalistin mehrmals. Sie sei immer gegen den Krieg gewesen, versichert die am 28. Jänner entführte Korrespondentin. Dann wendet sie sich direkt an ihren Lebensgefährten Pierre Scolari: "Pierre, du weißt, was ich für die Bombenopfer, die verletzten Frauen und Kinder hier im Irak alles getan habe. Bitte, publiziere die Bilder. Nur du kannst mich retten!", bittet Sgrena in dem ergreifenden Appell.

Sgrena sprach teils Italienisch, teils Französisch. Hinter der Journalistin war ein Spruchband mit der Aufschrift "Mudjahedin ohne Grenzen" zu sehen. Im Hintergrund sprachen Männer in irakischem Dialekt. Auf dem Video selbst waren keine anderen Personen zu sehen.

Scolari erklärte in einer ersten Stellungnahme, positiv sei vor allem der Umstand, dass seine Lebensgefährtin noch lebe. "Sie wirkt stark mitgenommen. Aber die Tatsache, dass die Entführer ein Video geschickt haben, ist ein Zeichen dafür, dass sie an Verhandlungen interessiert sind. Wir müssen das trotz der dramatischen Situation als positives Zeichen werten", so Scolari. Sgrenas Vater Franco zeigte sich erschüttert: "Giuliana ist eine starke Frau. Aber offenbar ist sie mit den Nerven am Ende."

Rom schließt Truppenabzug aus

Die Regierung in Rom hat eine Änderung ihrer Mission im Irak ausgeschlossen. Außenminister Fini betonte, dass sich trotz Sgrenas Appell nichts an der Irak-Strategie der Regierung Berlusconi ändern wird. Die Regierung werde sich jedoch mit allen Mitteln für die Freilassung der Reporterin einsetzen.

"Es freut uns, dass Sgrena am Leben ist, trotzdem bleibt die Sorge um die künftige Entwicklung dieses Geiseldramas groß. Die Regierung wird sich weiterhin für die Freilassung der Gefangenen einsetzen, ohne jedoch ihre politische und diplomatische Strategie zu ändern", betonte Fini.

Oppositionschef Romano Prodi forderte die Regierung Berlusconi zu einem verstärkten Einsatz zur Freilassung der Reporterin auf, die auch als Islam-Expertin und Schriftstellerin Ansehen erlangt hat. (APA/red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2005)

Gerhard Mumelter aus Rom
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    Seit 28. Jänner in der Hand von Entführern im Irak: die italienische Journalistin Giuliana Sgrena auf dem Video, das am Mittwoch in Italien ausgestrahlt wurde.

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