Liebe, nicht Ehe, legitimiert Sex

17. Februar 2005, 07:00
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Vor hundert Jahren setzte sich die Sozialreformerin Helene Stöcker für ledige Mütter ein

Liebe, nicht Eheschließung, legitimiere zum Geschlechtsverkehr. Diese Meinung, welche die Sozialreformerin Helene Stöcker - dieStandard.at porträtierte sie bereits - im Zuge ihres Konzepts einer neuen Ethik vertrat, galt vor hundert Jahren als moralisch inakzeptabel. Obwohl sie die Einehe als höchstes Ideal ansah, wollte sie auf diesem Wege nicht eheliche PartnerInnnenschaften gesellschaftlich anerkennen lassen. Und zwar vor allem, um eine geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit zu beseitigen. Sie wollte verhindern, dass unverheiratete Mütter weiterhin verurteilt werden, dagegen Männer im Schutze der Doppelmoral ohne Schande davon kommen. Diese Männer sollten fortan "an den öffentlichen Pranger" gestellt werden dürfen.

Der Einsatz von Helene Stöcker galt also der Bekämpfung des gesellschaftlichen Makels der außerehelichen Mutterschaft. Dazu gründete sie vor hundert Jahren, genau genommen am 26. Februar 1905, in Berlin den Bund für Mutterschutz und Sexualreform. Es wurden Heime für ledige Mütter und deren Kinder geschaffen und Arbeitsvermittlung für die Frauen betrieben, um sie finanziell unabhängig zu machen. Desweiteren engagierte sich Helene Stöcker für eine Mutterschaftsversicherung, einen Mutterschutz, längere Stillzeiten und rechtliche Gleichstellung von unehelichen Kindern.

Um das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihre Körper zu gewährleisten, forderte der Bund freien Zugang zu Verhütungsmitteln, frühe sexuelle Aufklärung von Jugendlichen sowie die Abschaffung des Paragrafen 218, der Abtreibung unter Strafe stellte. (dabu)

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    Helene Stöcker
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