Zeugin musste vor Bedroher aussagen - Landesgericht: "Das sollte nicht passieren"

18. Februar 2005, 16:16
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Maria R. hatte in der Straßenbahn einer Frau geholfen, die von einem vielfach vorbestraften Zuhälter schwer verletzt worden war

Wien – Eine Zeugin vor Gericht, die vom Beschuldigten ernsthaft bedroht worden ist, soll nicht gezwungen werden, ihre Aussage in Anwesenheit des Bedrohers zu machen: Das betont Friedrich Forsthuber, Pressesprecher des Wiener Landesgerichts, nach dem Standard-Bericht über die couragierte Maria R., der ein Wiener Verhandlungsvorsitzender diesbezüglich eine rüde Abfuhr erteilt hatte.

Maria R. hatte in der Straßenbahn einer Frau geholfen, die von einem vielfach vorbestraften Zuhälter schwer verletzt worden war. Der Gewalttäter hatte R. mit dem Umbringen gedroht, sollte sie gegen ihn aussagen. Doch der Richter weigerte sich, den Beschuldigten während ihrer Aussage aus dem Saal zu führen.

Richter müssten informiert werden

"So etwas darf am Wiener Landesgericht an sich nicht passieren", meint Forsthuber; die Richter müssten entsprechend informiert werden. Skeptisch jedoch steht er Vorschlägen eines generellen Rechts von Raub- und Drohungsopfern auf so genannte kontradiktorische Vernehmung gegenüber, wie es der Obmann der Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring, Udo Jesionek, fordert.

Die Richter, so Forsthuber, sollten weiterhin die Möglichkeit haben, "zwischen berechtigten Ängsten von Zeugen und dem Recht der Beschuldigten auf ein faires Verfahren samt unmittelbarer Zeugenanhörung abzuwägen". Vielfach nämlich, wenn auch nicht in dem vorliegenden Fall, sei die Angst übertrieben. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 17.2.2005)

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