"Hans Dichand bekam Altersrabatt"

16. Februar 2005, 17:45
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Das Schiedsgericht attestierte Hans Dichand "Pflichtverletzungen" als "Krone"-Manager, sagt WAZ-Chef Erich Schumann

Das Schiedsgericht attestierte Hans Dichand "Pflichtverletzungen" als "Krone"-Manager, sagt WAZ-Chef Erich Schumann. Das Match geht weiter, bestätigt er dem STANDARD. Mache Dichand Fehler, will der WAZ-Mann wieder juristisch gegen seinen Wiener Partner vorgehen.

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STANDARD: Das Schiedsgericht hat Hans Dichand entgegen Ihrer Klage nicht als Hauptge schäftsführer der "Krone" abgesetzt. Trauer in Essen?

Schumann: Wir sind nicht so besonders froh, dass wir das verloren haben. Auf der anderen Seite sind wir froh, dass Herr Dichand auch verloren hat. Er wollte seinen Sohn Christoph als alleinigen Chefredakteur eingesetzt wissen.

STANDARD: Es bleibt bei der Doppelchefredaktion: Christoph Dichand und Michael Kuhn, den die WAZ einsetzte.

Schumann: Wir haben Vorbehalte gegen die Qualifikation von Herrn Christoph Dichand. Seiner Berufung zum Chefredakteur hätten wir nie zugestimmt, hätten wir nicht einen erfahrenen Mann daneben setzen können. Der Hauptgeschäftsführer ist seither außerordentlich eingeschränkt: Redaktionelle und Personalfragen entscheiden die gleichberechtigten Chefredakteure, also auch über Kolumnisten.

STANDARD: Warum wollen Sie dann Dichand als Hauptgeschäftsführer loswerden?

Schumann: Er läuft herum und spricht vom "weisungsfreien Hauptgeschäftsführer". Wer sich nicht auskennt, glaubt, er wäre der Herrscher aller Reußen. Zweitens sind wir nicht Feind unseres Geldes. Mit der Funktion des Hauptgeschäftsführers würde auch sein Vorabgewinn wegfallen.

STANDARD: Der soll monatlich mehr als 700.000 Euro ausmachen. Versuchen Sie weiter, Dichand abzusetzen, auch mit juristischen Maßnahmen?

Schumann: Wenn Fehler gemacht werden, ja. Klar ist, dass wir früher oder später volle Parität haben. Wir werden sehr genau darauf achten, dass der Gesellschaftervertrag eingehalten wird. In dem Urteil des Schiedsgerichts sind ja drei bis vier Pflichtverletzungen Dichands als Hauptgeschäftsführer bestätigt worden. Eine davon mit der Einschränkung, dass wir ihm die im Jänner 2003 mit der Vereinbarung über die Doppelchefredaktion sozusagen verziehen haben.

STANDARD: Dichand versuchte erst, Christoph im Alleingang zum Chefredakteur zu machen. Offenbar wogen dem Schiedsgericht die "Pflichtverletzungen" nicht schwer genug.

Schumann: Dichand hat für Pflichtverletzungen, die festgestellt wurden, einen Vergangenheits- und Altersrabatt bekommen: Er habe das schon so lange und ordentlich gemacht und sei in einem gewissen Alter, wo man das nicht mehr so streng nehmen kann.

STANDARD: Dichand will seine persönlich gehaltenen 50 Prozent der Krone schon lange in seine Privatstiftung einbringen, was der Familie viel Erbschaftssteuer sparte. Sie bleiben wohl bei Ihrem Nein dazu.

Schumann: Wir denken nicht daran, einem Gesellschafterwechsel zuzustimmen.

STANDARD: Und Sie haben ein Vorkaufsrecht für Dichands Anteile. Sie könnten nach dem Urteil den Hut draufhauen und den "Krone"-Anteil verkaufen.

Schumann: In keinem Fall. Wir würden den Dichand-Anteil kaufen, um ihn an andere österreichische Partner weiterzugeben.

STANDARD: Die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber Raiffeisen würde sich darüber wahrscheinlich freuen, mit denen Sie sich schon den "Kurier" teilen. Spielt die WAZ vielleicht auch Partner bei der geplanten Zeitung der Brüder Fellner?

Schumann: Nein, das geht nur in Übereinstimmung mit Raiffeisen und Dichand. Wir kommen nicht infrage. Das Projekt muss man ernst nehmen, die "Krone" in ihrer heutigen Situation besonders. Ihre Führung ist ja nicht sehr jugendlich. Ich habe deswegen hier bei der WAZ junge Leute und mache im operativen Geschäft nicht mehr so viel. (DER STANDARD; Printausgabe, 17.2.2005)

Zur Person

Erich Schumann (74) ist Geschäftsführer und Gesellschafter der WAZ Mediengruppe. Hans Dichand wurde gerade 84.

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