Rekorde mit Zeitgenossen bei Christie's und Sotheby's

22. Februar 2005, 20:20
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Als Marktplatz für zeitgenössische Kunst mausert sich London zunehmend

Die beiden Auktionshäuser verbuchten vergangene Woche in dieser Sparte ihr jeweils bestes Ergebnis auf europäischem Boden.


London – In der Nationenstatistik halten die USA mit mehr als 40 Prozent den größten Anteil am weltweiten Umsatz mit Kunst, gefolgt von Großbritannien mit rund 33 Prozent. Diese Position wurde vergangenes Jahr untermauert: In den USA erhielten 378 Kunstwerke siebenstellige Zuschläge (2003 waren es 229) und London spielte im ersten Halbjahr 2004 mehr als 377 Millionen Pfund über Auktionen ein, was im Vergleich zu 2003 einer fast 30- und zu 2000 einer 62-prozentigen Steigerung entspricht.

Als die am stärksten wachsende Sparte zählt sowohl in den USA als auch in Europa der Bereich zeitgenössischer Kunst. Hier verbucht man immer öfter Rekordergebnisse: Im Februar 2004 vermeldete Sotheby's mit 14,75 Millionen Pfund sein bislang bestes. Die Liste der Top-Ten-Ergebnisse führte damals mit 2,8 Millionen Pfund Francis Bacons Study for a Pope VI (1961) an. Mit 1,293 Millionen Pfund schaffte man einen Auktionsrekord für Nicolas de Stael (Méditerranée, 1954). Aktuell belief sich der Umsatz am 10. Februar 2005 auf 15,3 Millionen Pfund (22 Millionen Euro, Verkaufsquote 81,8 Prozent) und inkludierte sechs neue Künstlerrekorde.

Für Piero Manzonis Achrome von 1959 hinterlegte ein asiatischer Sammler 1,25 Millionen Euro. Lucio Fontanas Concerto Spaziale, La Finde Di Dio (1963) blieb mit knapp 1,46 Millionen Euro unter den Erwartungen. Seit 1997 stieg der Wert des 1968 verstorbenen Künstlers kontinuierlich an, damals investierte 100 Euro sind laut Artprice heute 316 Euro wert. Der größte Wertzuwachs erfolgte mit 32 Prozent von 1998 auf 1999; die bislang meisten Arbeiten Fontanas wurden 1999 versteigert (168), den höchsten Umsatz brachten mit 13,15 Millionen Euro 145 Werke im Jahr 2001.

Ebenso unter den von Sotheby's gelisteten Top Ten finden sich zwei der sechs Auktionsrekorde. Für umgerechnet je knapp 784.000 Euro wechselten Roy Lichtensteins Temple of Apollo (1964) sowie Andy Warhols Soup Can (1962) den Besitzer.

Mit einem Umsatz von 24,46 Millionen Pfund, einer Verkaufsquote von 86 Prozent und acht neuen Künstlerrekorden katapultierte sich Christies's vergangene Woche an die Spitze des europäischen Contemporary-Hypes: Die am Abend des 9. Februars eingespielten 35,59 Millionen Euro markieren damit das bislang beste Auktionsergebnis für zeitgenössische Kunst und Kunst nach 1945 in Europa überhaupt.

Weit über ihren Schätzwert stiegen dank anonymen Käufern etwa die beiden Porträts des britischen Malerfürsten Lucian Freud: Naked Portrait (2002), das Aktporträt des damals schwangeren Supermodels Kate Moss – die Erwartungen waren bei 3,6 und fünf Millionen gelegen –, wechselte für 5,69 Millionen Euro via Telefon den Besitzer.

Red Haired Man on a Chair (1962–63), das Bildnis von Freuds Malerkollegen Tim Behrens, erzielte mit einem Zuschlagspreis von 6,02 Millionen Euro einen neuen Auktionsrekord für den Künstler. Diese Auszeichnung erhielten an diesem Abend etwa auch: Marlene Dumas mit 2,61 Millionen Euro für The Teacher (1987), Mario Merz mit 1,14 Millionen Euro für Iglo Objet cache-toi (1968–1977), Andy Warhol mit 1,63 Millionen Euro für Nine Multicoloured Marilyns (reversal Series, 1979 bis 1986), und damit zum höchsten Preis, der je für einen Holz-Siebdruck des Künstlers erzielt wurde.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2005)

Von
Olga Kronsteiner
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