Lügendetektortest mit Bravour bestanden

18. Februar 2005, 20:56
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Der irakische Atomchef Jafar Dhia Jafar wurde nach seiner Flucht aus Bagdad monatelang von den Amerikanern verhört

Jafar Dhia Jafar ist ein freier Mann. Den Lügendetektortest, dem ihn die CIA während der monatelangen Verhöre von Sommer bis Spätherbst 2003 unterzog, hat er laut Amerikanern mit Bravour bestanden, erzählt er. Mir beantwortete er viele Stunden lang Fragen, freundlich und geduldig, anders als ihn die IAEO-Inspektoren von 1991 bis 2003 manchmal erlebten.

Der irakische Atomphysiker war mit Frau und Tochter kurz vor dem Fall Bagdads über Syrien in einen Golfstaat geflüchtet, dort stellte er sich den USA zur Verfügung. Jafar war der Kopf des gesamten geheimen irakischen Atomwaffenprogramms. Nach dem Golfkrieg 1991 wurde er mit der Wiederherstellung des zerstörten Elektrizitätssektors im Irak beauftragt.

Jafar, Jahrgang 1942, machte sein Doktorat in Nuklearphysik mit 23 Jahren, in Birmingham. In Großbritannien hatte er bereits vorher einige Internatsjahre verbracht, gehörte doch seine Familie zu den vornehmsten und reichsten des Irak. Der Vater bekleidete in der Monarchie Ministerämter, seine Mutter stammte aus der Aga-Khan-Familie. Nach dem Studium verbrachte Jafar ein paar Jahre im Irak, um bald nach der Machtübernahme der Baath-Partei wieder das Land zu verlassen: Jafar, damals mit einer Britin verheiratet, war kein Baathist, er trat der Partei auch später nie bei.

Aber 1975, nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Genf bei CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire), der der Ausgangspunkt für eine große internationale Wissenschafterkarriere hätte werden können, ging er wieder heim. Dort geriet er bald in Schwierigkeiten: Als 1979 sein Kollege Hussein Shahristani wegen angeblicher Kontakte zu Schiitenparteien verhaftet wurde, bombardierte Jafar Saddam Hussein mit Eingaben und pflegte demonstrativ den Kontakt mit der Frau des Verhafteten. Im Jänner 1980 wurde er selbst festgenommen, bis September 1981 war er zuerst im Gefängnis, danach in Hausarrest.

Nach dem Angriff der israelischen Luftwaffe auf den Reaktor Osirak, der kurz vor der Fertigstellung stand, beauftragte ihn Saddam mit dem Bau einer Atomwaffe. Jafar bleibt dabei, dass es vorher im Irak kein Atomwaffenprogramm - das heißt: keine politische Entscheidung, keinen Projektplan, kein Budget, keine Organisation - gegeben hat, vor 1981 "war alles nur Gerede". Es habe auch nicht, wie von Israel behauptet, Pläne gegeben, in Osirak Plutonium herzustellen. Er beschreibt, wie nach dem Angriff 1981 irakische Wissenschafter in das Atomprogramm drängten, selbst für Regimeskeptiker wurde es zur patriotischen Pflicht. Jafars Atom-Story erschien vor Kurzem auf Norwegisch unter dem Titel "Oppdraget" ("Der Auftrag", Spartacus). (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2005)

Siehe dazu auch:

"Zuerst haben wir gelogen, später die Amerikaner"
Interview mit Jafar Dhia Jafar, "Vater" des geheimen irakischen Atomprogramms
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