Organtransplantation in Deutschland: Spenderin war vermutlich mit Tollwut infiziert

17. Februar 2005, 15:50
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Drei Patienten befinden sich in kritischem Stadium - lebensgefährliche Infektion ist sehr wahrscheinlich

Neu-Isenburg/Wien - In Deutschland sind vermutlich drei Menschen nach einer Organtransplantation an Tollwut erkrankt. Die Patienten erhielten Lungen, Niere und Bauchspeicheldrüse einer höchstwahrscheinlich mit Tollwut infizierten Spenderin, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Mittwoch in Neu-Isenburg mitteilte.

Die Situation der betroffenen Patienten sei "medizinisch äußerst kritisch". Laut DSO handelt es sich um einen bisher einmaligen Fall in Deutschland. Drei weiteren Menschen, denen die Leber und die Augenhornhäute der Frau übertragen wurden, gehe es gut.

Keine Symptome vor dem Tod

Die Organspenderin zeigte keine Symptome der Tollwut vor ihrem Tod. Die Frau hatte im vergangenen Dezember nach einer Krankenhauseinlieferung einen Herzstillstand erlitten. Sie starb kurz darauf. "Leider ist es medizinisch nicht möglich, solche seltenen Infektionen im Voraus auszuschließen", erklärte DSO-Vorstand Günter Kirste. Ein potenzielles Restrisiko durch solche Infektionen bleibe bei jeder Transplantation bestehen. Auch im konkreten Fall seien alle medizinischen Vorsorgeuntersuchungen bei der Organspenderin vorgenommen worden. Personen, die in den Transplantationszentren in Hannover, Marburg und Hannoversch-Münden sowie im Krankenhaus mit der Spenderin und den infizierten Patienten Kontakt hatten, wurden vorsorglich immunisiert.

Übertragung durch Biss und Hautverletzungen

Tollwut wird in der Regel durch den Biss eines infizierten Tieres auf den Menschen übertragen. Die Übertragung ist aber auch über Hautverletzungen oder direkten Kontakt des infizierten Materials mit der Schleimhaut möglich. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind bisher nur in wenigen Einzelfällen durch Transplantationen bekannt geworden. Ein ähnlicher Fall wurde im vergangenen Sommer aus den USA gemeldet.

Gefahr gering

Die Gefahr, sich in Deutschland mit Tollwut zu infizieren, sei äußerst gering, erklärte Andrea Ammon vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Zuletzt gab es 1996 und 2004 jeweils einen Todesfall. In beiden Fällen erkrankten die Betroffenen in Zusammenhang mit Auslandsaufenthalten.

Tests in Österreich

Organspender werden in Österreich routinemäßig auf häufige und potenziell gefährliche Virusinfektionen getestet, um ein Übertragungsrisiko auszuschalten. "Das sind Hepatitis, HIV und Cytomegalivirus. Hinzu kommt noch ein Test auf Syphilis", erklärte Dr. Bernhard Edel von der Abteilung für Transplantationschirurgie am Wiener AKH. Ein Tollwut-Verdacht könnte am ehesten bei der Abklärung der Vorgeschichte des Organspenders erkannt werden. Tollwut-Erkrankungen sind sowohl in Deutschland als auch in Österreich extrem selten. (APA)

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