tele.ring fordert niedrigere IC-Entgelte an Mobilkom

28. Februar 2005, 11:51
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Mobilkom verdiene mit Zusammenschaltungsentgelten, während tele.ring noch was drauflegen müsste

Im Streit um die Terminierungsentgelte (IC-Gebühren, Zusammenschaltungsentgelte) im Mobilfunk legt heute tele.ring nach. Der viertgrößte und derzeit am raschesten wachsende Anbieter dreht den Spieß um und kontert die Mobilkom-Forderung nach einer IC-Absenkung für tele.ring seinerseits mit dem gleichen Ansinnen mit umgekehrten Vorzeichen. "Die Regulierungsbehörde muss die IC-Entgelte für die Mobilkom auf 5 Cent senken", erklärte am Mittwoch tele.ring-Chef Michael Krammer. Bei den Terminierungsentgelten handelt es sich - vereinfacht dargestellt - um eine "Telefonleitungs-Maut", die sich die Betreiber untereinander verrechnen.

9,5 Cent

Er begründet dies mit den Plänen der Regulierungsbehörde, ein Zusammenschaltungsentgelt auf 9,5 Cent festzulegen, sobald alle Betreiber rund ein Fünftel Marktanteil haben. Da die Mobilkom Austria derzeit bei einem doppelt so hohen Anteil halte, seien daher derzeit 5 Cent gerechtfertigt, so Krammer.

An der Realität vorbei

Dass Mobilkom-Chef Boris Nemsic eine Senkung der Gebühren für tele.ring mit dem Hinweis fordere, dass tele.ring weniger bezahle als sein Unternehmen, ziele an der Realtität vorbei. Nicht die Höhe der Gebühren ist entscheidend, sondern das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen", betonte Krammer. Und er rechnete vor: Die Telekom Austria-Tochter Mobilkom habe seit 1993 aus den IC-Gebühren einen Gewinn von 285 Mio. Euro erzielt, während tele.ring ein Minus von 300 MIo. Euro in diesem Bereich verkraften musste.

Der Unterschied resultiere aus der Marktmacht der Mobilkom, die weit höher als im europäischen Schnitt sei. Außerdem sei tele.ring erst sieben Jahre nach Vergabe der ersten GSM;-Linzen an den Start gegangen - weit später als das beim vierten Anbieter in anderen Ländern der Fall gewesen sei. Dabei hätte man bei tele.ring auch nur die unmittelbaren IC-Kosten bei der Höhe der Festlegung der Zusammenschaltungsgebühren durch die Regulierungsbehörde berücksichtigt, während bei der Mobilkom auch Ausgaben für Marketing und Kundenbindung miteingerechnet wurden, kritisierte Krammer.

einigung nicht zu erwarten

Ein gütliche Einigung mit der Mobilkom sei nicht zu erwarten, Krammer setzt auf ein Verfahren vor der Regulierungsbehörde, bei der dann "die wahren Kosten der Mobilkom ermittelt werden, so der tele.ring-Chef. Er schließt auch einen Gang nach Brüssel nicht aus, schließlich sie die tele.ring-Mutter Western Wireless auch schon bei einem ähnlichen Fall in der Slowakei auf die Unterstützung der EU gestoßen.

Teminierungsentgelte fallen an, sobald ein Netzbetreiber einen Anruf in ein anderes Netz übergibt. Dem Besitzer dieses neuen Verbindnungsstranges muss dann der abgebende Handynetzbetreiber für das Telefonat die Entgelte bezahlen. Schließlich kassiert er ja den Gesamtbetrag vom Kunden, obwohl er auch das Netz des Mitbewerbers nutzt.

Bis 2010

Der Telekom-Regulator will die Terminierungsentgelte, die aktuell je nach Betreiber unterschiedlich hoch sind, bis 2010 auf einem Niveau von rund 9,5 Cent für alle Betreiber vereinheitlichen. Derzeit bekommt die Mobilkom von ihren Mitbewerbern für die Gesprächszustellung 10,86 Cent, T-Mobile 13,18 Cent, One 13,80 Cent, tele.ring 15,99 Cent und Hutchison als jüngster Marktteilnehmer sogar 19,62 Cent. Im EU-Vergleich liegen die österreichischen Terminierungsentgelte im unteren Drittel, betont die Regulierungsbehörde RTR. (APA)

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