Haider: "ÖVP will mich als Verrückten darstellen"

20. Februar 2005, 16:11
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Kärntner Landes­hauptmann: Kanzler will Neuwahlen vom Zaun brechen - VP indirekt Schuld an tödlicher Krankheit von FP-Kreissl

Wien - Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) möchte seine Privatfehde mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) am Köcheln halten. In der neuesten "News"-Ausgabe meint Haider, einer der Gründe für die vermeintliche Abhöraktion gegen Kärntner Freiheitliche sei, dass "die ÖVP versucht uns zu schaden. Schüssel will im Frühherbst 2005 wählen und daher muss er mögliche neue, für ihn gefährliche Bewegungen verhindern. Er provoziert Teile der Freiheitlichen doch schon seit Wochen bewusst, um wieder Neuwahlen vom Zaun zu brechen", so der Alt-FPÖ-Chef. Haider hielt der ÖVP auch vor, ihn als "Verrückten" darstellen zu wollen.

Kreissl-Tod

Außerdem wiederholte Haider seinen Vorwurf im Zusammenhang mit der Abhöraffäre gegen das von der ÖVP geführte Innenministerium und verteidigt dabei seinen "Securitate"-Vergleich. "Es gibt ja diesen selbsternannten Geheimdienst im Innenministerium. Auch in Österreich mussten Menschen gewisse Methoden mit ihrem Tod bezahlen. Denken Sie nur an den frühen und jungen Tod des FPÖ-Mandatars Michael Kreissl, der 2001 Hauptzielpunkt des Spitzelskandals war, der sich dann völlig in Luft aufgelöst hat. Das ist damals auch von der ÖVP gegen die FPÖ gesteuert worden".

Psychoterror

Auf die Frage, ob er wirklich glaube, dass die ÖVP mittels "Psychoterror Menschen in den Tod treibe", sagte Haider: "Solche konstanten, ungerechten Angriffe gehen den Menschen näher als man glaubt. So eine psychische Belastung ist sicher ein auslösender Moment für eine tödliche Krankheit", versucht der Landeshauptmann, der ÖVP indirekt die Schuld für den Tod Kreissls unterzujubeln.

Nervöser Schüssel

Was die politische Situation betrifft, glaubt Haider, "dass Schüssel nervös geworden" sei, weil der ÖVP-Chef erfahren habe, "dass der Haider über eine eigene Liste nachdenkt. Er weiß, dass ihm diese Liste Haider gefährlich werden könnte".

"Diese Spiele kennen wir schon"

Angesprochen auf die süffisante Bemerkung von VP-Innenministerin Liese Prokop in Bezug auf seine Abhörvorwürfe, es werde "kein Verfolgungswahn sein, denn das wäre ein Krankheitsbild", kontert Haider mit einer Frontalattacke gegen Kanzler Wolfgang Schüssel: "Jetzt sind wir wieder dort, wo wir 2002 waren. Da wollte mich die ÖVP auch schon für geisteskrank erklären. Jetzt versuchen sie mich wieder als Verrückten darzustellen. Im persönlichen Gespräch mit meiner Schwester Ursula Haubner war Frau Prokop ganz verständnisvoll und wollte auch eine Aufklärung. Aber im Auftrag von Schüssel tritt sie jetzt so nach außen auf. Diese Spiele kennen wir schon."

"Keine Privatfehde mit Schüssel

Haider habe "keine Privatfehde mit Bundeskanzler Schüssel", betonte der Pressesprecher des ehemaligen FPÖ-Chefs, Stefan Petzner, gegenüber der APA. Auch haue der Landeshauptmann nicht wild um sich oder auf Schüssel. Es gehe vielmehr darum, "die Abhöraffäre im Innenministerium aufzudecken, die demokratiepolitisch sehr sehr bedenklich ist. Da will Haider Licht ins Dunkel bringen", betonte Petzner.

Es sei wichtig, "solche illegale Abhörungen, wie sie stattgefunden haben, zu verhindern". Deswegen werde es auch morgen Donnerstag eine Pressekonferenz von Haider geben. "Das ist der Grund für das Auftreten Haiders in der Abhöraffäre, nicht der Herr Bundeskanzler". Es gehe dabei "sehr wohl um das ÖVP-Innenministerium, aber nicht um Schüssel als Person oder den Bundeskanzler". (APA)

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    Haider (rechts) beim Villacher Fasching

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