Präsentation des "stadtTheater walfischgasse"

21. Februar 2005, 21:32
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Ehemalige Kleine Komödie soll Boulevardtheater mit Niveau werden

Wien - "Trotz allem: Wien hat ein neues Theater!", meinte Neo-Prinzipalin Anita Ammersfeld zuversichtlich bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des "stadtTheater Walfischgasse". Am Standort der früheren Kleinen Komödie, deren Leiter Helmut Siderits 2003 den Konkurs angemeldet hatte, eröffnet das Boulevardtheater "auf hohem Niveau" (Ammersfeld) am 20. April mit der Eigenproduktion "Freunde, das Leben ist lebenswert" von Charles Lewinsky. Künftig soll Satirisches, Theater und Kabarett ebenso geboten werden wie Musikalisches, Soloperformances, Künstlergespräche und Lesungen. Finanziert wurde der Umbau mit privaten Mitteln.

Clubatmosphäre

"Eine gediegene, intime Clubatmosphäre" wünscht sich Sängerin und Schauspielerin Ammersfeld, die bereits Veranstalter-Know-how mit ihrem 1998 gegründeten "Musikforum Ammersfeld" gesammelt hat. In dessen Rahmen produzierte sie zahlreiche Konzerte und Uraufführungen an verschiedenen Spielstätten. Zuletzt spielte sie bei den Maria Enzersdorfer Nestroyfestspielen auf Burg Liechtenstein unter der Intendanz von Elfriede Ott. Seit Herbst 2004 widmete sie sich dem Umbau des stadttheater Walfischgasse, dessen Finanzierung in der Höhe von 400.000 Euro sie dank ihres Ehemannes und Sponsors Erwin Javor vom österreichischen Unternehmen Frankstahl privat aufstellen konnte.

"Mein Mann fördert seinen Lieblingsfußballverein, die Austria Wien, und eine Kulturinstitution, der er vertraut: mich", so Ammersfeld lachend. Die Neugestaltung des modern gestylt Theaters, das in gedeckten Braunrot-Grautönen gehalten ist, umfasste die Bühnenkonstruktion, die optional für Guckkasten und Spielraum nutzbar ist, den Zuschauerraum mit 272 Plätzen, Probe- und Garderoberäume, sämtliche technische Anlagen und die zweiten Spielstätte theaterCercle für 65 bis 90 Plätze. Der laufende Betrieb wird mit 170.000 Euro veranschlagt. Öffentliche Gelder sind zwar erwünscht und erwartet, aber eine Absage wäre kein Hindernis. "Die Theaterlandschaft ist in einer Krise. Kein Haus kann sich auf öffentliche Gelder verlassen", so die Prinzipalin.

"Mit der Zeit gehen"

Programmatisch sind für den großen Saal ein bis zwei Eigenproduktionen pro Jahr vorgesehen, und darüber hinaus soll der Raum für "gehobene" Kabarett- und Musikproduktionen vermietet werden. "Wir wollen neue Wege gehen", so Ammersfeld. Bieten möchte sie ihren Gästen "kluge Stücke, die hohen Ansprüchen genügen, aber dennoch unterhalten". Das soll auch im theaterCercle geschehen, der vom den Besucher empfangenden Foyer zum Pausenbuffet mit Bar und Tischen mutiert, und nach Vorstellungsende zur Kleinbühne für das Spätprogramm verwandelt werden kann. Hier sollen sowohl "arrivierte Künstler wie auch der Nachwuchs" (Ammersfeld) Gelegenheit zur Programmdarbietung haben. Geplant sind auch Kooperationen mit der Staatsoper, etwa Künstlergespräche oder Kinderopern.

Nach der Eröffnungs-Produktion, zu deren Details Ammersfeld auf eine nachfolgende Pressekonferenz verwies, wird Alexander Kuchinka sein satirisches Liederalbum "Der Herr Kuchenkarl" präsentieren. Elfriede Ott wird ihren 80. Geburtstag am 11. Juni gemeinsam mit Gerhard Bronner im Rahmen einer "Geburtstagshommage" feiern. Weitere Auftritte sind für das Doppel Ulrike Beimpold und Heinz Zednik vorgesehen.

Eine Krise des Genres "Boulevardtheater" angesichts des Konkurses ihres Vorgängers befürchtet Ammersfeld nicht: "Man muss mit der Zeit gehen". (APA)

Service

stadtTheater walfischgasse, 1010 Wien, Walfischgasse 4

Links

stadttheater.org

ammersfeld.at

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    Anita Ammersfeld im im Zuschauerraum des "Stadttheater Walfischgasse"

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