Wespen als blinde Passagiere

28. Februar 2005, 12:59
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Schlupfwespen lassen sich von Eier tragenden Schmetterlingen zu ihrem Gelege fliegen

Berlin/London - Wie Berliner Wissenschafter beobachteten, klettern bestimmte parasitäre Tiere auf Schmetterlinge, um sich als blinde Passagiere zu deren Ei-Ablageplätzen fliegen zu lassen. Dort vernichten die nur rund einen halben Millimeter kleinen Schlupfwespen die Schmetterlingsbrut, indem sie ihre eigenen Eier in die Schmetterlingseier legen. Die Biologen berichten mit niederländischen Kollegen im Fachjournal "Nature" darüber, wie die Wespen erfolgreich Eier tragende Schmetterlingsweibchen als "Mitfluggelegenheit" auswählen.

Die Forscher um Monika Hilker von der Freien Universität Berlin hoffen nun, die Schlupfwespen Trichogramma brassicae in der biologischen Schädlingsbekämpfung einsetzen zu können, wie die Hochschule mitteilte. Denn die Wespen trampen auf dem Großen Kohlweißling (Pieris brassicae), einem gefürchteten Schädling in der Landwirtschaft.

Trick

Um als blinde Passagiere Platz auf den Schmetterlingen zu finden, wenden die Wespen einen Trick an. Sie erschnuppern einen Sexualduftstoff, der Schmetterlingsweibchen nach der Paarung umgibt. So können sie sicher sein, dass ihre ahnungslose "Mitfluggelegenheit" auch Eier ablegen wird, teilte die Universität weiter mit. Eine gezielte Vernichtung der Schmetterlingseier durch trampende Wespen könnte den Einsatz von Pestiziden möglicherweise reduzieren.

Den Nachweis ihrer These erbrachten die Biologen gemeinsam mit niederländischen Kollegen. Sie stellten den Duftstoff, den Schmetterlingsmännchen wie einen chemischen Verlobungsring um ihre Weibchen legen, synthetisch her. Anschließend besprühten die Wissenschafter jungfräuliche Schmetterlinge mit dem Duft. Die Parasiten ließen sich täuschen und trampten auch auf diesen Kohlweißlingen. (APA/dpa)

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    Der Große Kohlweißling könnte mit Hilfe von kleinen Schlupfwespen bekämpft werden.

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