Spanien: ETA soll vergangenes Jahr Attentat auf König Juan Carlos geplant haben

17. Februar 2005, 16:05
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Medienberichte: Am Samstag festgenommener ETA-Terrorist sollte den Monarchen im April 2004 erschießen

Bilbao/Wien - Die baskische Separatistenorganisation ETA hat vergangenes Jahr offenbar ein Attentat auf den spanischen König Juan Carlos geplant. Laut Medienberichten vom Mittwoch hätte der am Samstag in Basauri festgenommene ETA-Terrorist Javier Perez Aldunate den Monarchen im April mit einem Präzisionsgewehr erschießen sollen. Der Anschlag sollte während eines Aufenthalts von Juan Carlos in Palma de Mallorca erfolgen, wo er der Tennis-Davis-Cup-Partie zwischen Spanien und den Niederlanden beiwohnte.

Das Unterfangen scheiterte aber offenbar daran, dass das Gewehr, welches Perez Aldunate von seinen Chefs zugeschickt wurde, nicht rechtzeitig auf der Balearen-Insel ankam. Dort wurde vom 9. bis 11. April in der Stierkampfarena (Plaza de Toros) das Daviscup-Viertelfinal-Match gegen die Niederlande ausgetragen. Erhebungen der Polizei ergaben, dass Perez Aldunate mehrere Monate lang ein Spezialtraining zur Ausbildung zum Scharfschützen gemacht hatte. Laut der Tageszeitung "El Mundo" hatte die ETA bisher nicht mit Scharfschützen operiert.

Aus den bei dem Festgenommenen gefundenen Unterlagen ging weiters hervor, dass auch Attentate auf prominente Lokalpolitiker des spanischen Baskenlandes (Euskadi) in Planung waren. So seien der Chef der konservativen Volkspartei (PP) in der Provinz Vizcaya, Antonio Basagoiti, der Fraktionschef der PP im baskischen Parlament in Vitoria (Gasteiz), Leopoldo Barrea, sein Pendant von den Sozialisten (PSE), Rodolfo Ares, sowie der Bürgermeister von Vitoria, Alfonso Alonso (PP), im Visier der Terrorgruppe gewesen. Der heute 31-jährige Perez Aldunate war bereits einmal im Jahr 1997 wegen ETA-Aktivitäten festgenommen worden.

ETA hatte schon im Sommer des Jahres 1995 einen Anschlag auf König Juan Carlos auf Mallorca vorbereitet gehabt. Damals urlaubte der Monarch im Seglerhafen Porto Pi. Drei ETA-Terroristen wurden festgenommen, ehe sie das von langer Hand vorbereitete Attentat durchführen konnte. Im Jahr 1974 wollte die ETA den damaligen "Kronprinzen" von Diktator Francisco Franco entführen. Das Vorhaben wurde aber ebenso wenig in die Tat umgesetzt wie ein weiterer Anschlagsversuch, der im Jahr 1978 in Vorbereitung gewesen war.

Im Baskenland formieren sich unterdessen Organisationen von ETA-Opfern und Vertreter der spanischen Großparteien PSOE (Sozialisten) und PP (Volkspartei), um gegen Bestrebungen zu protestieren, die verbotene Batasuna-Partei doch zu den für 17. April geplanten Parlamentswahlen im Baskenland antreten zu lassen. Die Partei, die als politischer Arm der Untergrundorganisation ETA gilt, hat bereits ihre Kandidaten aufgestellt. Auch die auf der "schwarzen Liste" der ETA befindlichen Politiker riefen die Behörden auf, bis "zum Ende" gegen den Terrorismus zu kämpfen.

Batasuna hatte den baskischen Regierungschef Juan Jose Ibarretxe am Sonntag aufgefordert, die Wahlen abzusagen, falls der Partei die Teilnahme verweigert werden sollte. Ibarretxe hatte nach der Ablehnung seines Unabhängigkeitsplans ("Plan Ibarretxe) im Parlament von Madrid die Wahlen im Baskenland vorgezogen. Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero (Sozialisten/PSOE) stellte aber mehrmals klar, dass es aus Verfassungsgründen keine Möglichkeiten für Batasuna gebe. Die Separatistenpartei müsse sich erst vom ETA-Terror lossagen. (APA)

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