Hamburger Theater-Eklat um NS-Persiflage

21. Februar 2005, 21:29
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Premiere von NS-Persiflage "Bei Emmy Göring zum Tee" gerichtlich durchgesetzt

Hamburg - Um die Uraufführung der NS-Persiflage "Bei Emmy Göring zum Tee" am Dienstagabend im Hamburger "Polittbüro" hat es einen Eklat gegeben. Wegen "nicht angemessener Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus" wollte Theaterleiterin und Kabarettistin Lisa Politt das provokative Stück in letzter Minute absetzen. Die Autoren des Stücks wehrten sich und erwirkten eine einstweilige Verfügung. So konnte das Stück des Comedy-Duos "Emmi und Herr Willnowsky" dennoch Premiere feiern. Beim Publikum kam das Stück gut an, es gab lang anhaltenden Beifall.

Lachen über "der Untergang"

Hauptfigur der Satire ist Emmy Göring (Christoph Dompke), die Frau des Reichsfeldmarschalls Hermann Göring, die zusammen mit ihrem russischen Kriegsgefangenen Valentin (Christian Willner) ihren 111. Geburtstag feiert. Zu diesem Anlass gratuliert Hitler per Telefon aus Argentinien, Beckmann und Kerner laden die "erste Frau im Reich" in ihre Talk-Show ein. Auch aktuelle Ereignisse wie der Hitler-Film "Der Untergang" und das Holocaust-Mahnmal in Berlin werden satirisch aufbereitet.

"60 Jahre durfte in Deutschland nicht über Nazis gelacht werden. Jetzt geht das", verteidigte Christoph Dompke das Stück. "Ich wollte die Nazi-Größen von ihrem unantastbaren Sockel herunterholen und der Lächerlichkeit Preis geben", sagte Autor Mirko Bott. Lisa Politt und ihr Partner Gunter Schmidt sehen das anders: "Witze über den Holocaust werden auf unserer Bühne nicht gemacht", stellte die Kabarettistin fest, die gerade erst in Mainz mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde.

"Nichts Anstößiges"

Das Publikum demonstrierte mit seinem Applaus eindeutig seine Sympathie für das Stück. Die meisten Anwesenden zeigten sich frei nach Tucholskys "Satire darf alles" nicht schockiert, sondern gut unterhalten. Im Saal saß auch die jüdische Autorin Peggy Parnass, die an der Aufführung "nichts Anstößiges" fand. Bis Samstag soll das Stück noch im Polittbüro zu sehen sein. Ob der Streit weiter vor Gericht ausgetragen wird, war zunächst offen. (APA/dpa)

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