Mehr Wettbewerb im deutschen Breitbandgeschäft

23. Februar 2005, 10:56
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Branchenexperten sprechen von Beschwichtigung

Eine erfreuliche Belebung des Wettbewerbs im Breitbandzugangsmarkt stellt der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) Matthias Kurth fest. "Das vergangene Jahr hat manche früher geäußerten Befürchtungen zerstreut, es könne zu einer 'Remonopolisierung' im Telekommunikationsmarkt kommen und der Wettbewerb sei durch das Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 geschwächt. Während wir in den USA zur Zeit neue Megafusionen im Telekommunikationsmarkt haben, hat in Deutschland die Vielfalt des Angebots zugenommen und wir sehen eine wachsende Dynamik bei vielen Anbietern mit neuen Investitionen in die Infrastruktur", sagte Kurth bei der Präsentation des Jahresberichts 2004 seiner Behörde am Mittwoch.

Impulse

"Die schwierige Ausgangslage für die Wettbewerbsunternehmen im Festnetz erhielt durch das starke Wachstum des Breitbandmarkts entscheidende neue Impulse", so Kurth. Die Wettbewerbsgesellschaften hätten im vergangenen Jahr die Marktanteile im Breitbandbereich mit großen Schritten gesteigert. "Von fast sieben Millionen Breitbandanschlüssen in Deutschland wurden Ende des vergangenen Jahres 20 Prozent von Wettbewerbsunternehmen betrieben. Im Vorjahr betrug dieser Anteil noch elfProzent und hat sich innerhalb eines Jahres somit fast verdoppelt. Im Neukundengeschäft bei Breitbandanschlüssen haben die Wettbewerbsunternehmen schon 33 Prozent Marktanteil erreicht und diese Tendenz hat sich zum Jahresende durch attraktive Angebote und das Resale-Modell der Deutschen Telekom AG (DT AG) verstärkt", erklärte der Präsident der Reg TP. Besonders hob Kurth hervor, dass in einzelnen Regionen Wettbewerber inzwischen rund 50 Prozent des DSL-Anschlussmarkts erobert hätten.

Problematisch

"Die Analyse von Kurth ist reine Beschwichtigung. Kernproblem ist und bleibt der mangelnde Infrastrukturwettbewerb in Deutschland. Grundsätzlich hätte die Regulierungspolitik darauf zielen müssen, entweder massiv den Aufbau von alternativen Infrastrukturen zu schützen und zu fördern, sei es über Breitbandkabel oder drahtlose Techniken wie WLAN und WiMAX oder aber die Telekom zur Abgabe der Anschlussnetze zu zwingen. Letzteres Modell hatte man ja in den USA gewählt. Mittlerweile ist deutlich geworden, dass die Telekom sehr gut damit leben kann, langsam und zögerlich die Vorgaben einer ohnehin passiven Regulierungspolitik mit zwei oder drei Jahren Verzögerung umzusetzen, womit dann jeder Geschäftsplan eines neuen Wettbewerbers schon zum Scheitern verurteilt ist", kritisiert Omar Khorshed, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer acoreus AG.

Abgang

Schon 2002 verschwanden die meisten der neuen DSL-Anbieter wieder vom Markt. "Die aggressiv durchgeführte Geschäftsstrategie der Deutschen Telekom, die von Beginn an rund 200 Städte in Angriff nahm, sowie das niedrige Preisniveau für ADSL machten den Aufbau von eigenen DSL-Infrastrukturen mit Zielrichtung Privatkundenmarkt für neue Unternehmen nicht rentabel. Mit ihrem Vorgehen hatte die Telekom alle Hauptverteiler in Hochpotenzial-Gebieten abgedeckt. Das Resultat: über 90 Prozent Marktanteil der Telekom bei DSL", moniert Kurth. Nach Khorsheds Analysen liegen die Ursachen bei den hohen Leitungskosten für die entbündelte Zweidrahtleitung, die der ehemalige Monopolist von den Wettbewerben fordert, wie auch bei den Gesamtkosten für eine DSL-Infrastruktur: "Es ist ja nicht mit den Kosten für die Telekom-Vorleistung getan. Will ich in einer Stadt flächendeckend DSL anbieten, muss ich alle Hauptverteiler über ein Feeder-Netzwerk vernetzen - möglichst auch noch mit Redundanz. Dann benötigt man in den Hauptverteilern eine DSLAM-Technik, Authentifizierungs-Server, Backbone-Router und vieles mehr. Mit einem realistischen Marktanteil von wenigen Prozentpunkten und erzielbaren Preisen von 50 oder 60 Euro monatlich für einen ADSL-Anschluss einschließlich Flat Rate geht das nicht," so Khorshed. (pte)

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