Teilprivatisierung der ORF-Sendetechnik

23. Februar 2005, 13:46
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40 Prozent an der ORS stehen zur Disposition - ORF will Kontrolle behalten

Die Teilprivatisierung der ORF-Sendetechnik ist am Mittwoch angelaufen. Mit Inseraten in der "Wiener Zeitung", der "Financial Times" sowie im Amtsblatt der Europäischen Union kündigt der öffentlich-rechtliche Sender die "Veräusserung einer Beteiligung an der Österreichische Rundfunksender Gmbh & Co KG" an. Alexander Wrabetz, Kaufmännischer Direktor des ORF, spricht gegenüber der APA von einem "Aufruf an Investoren, sich für das ORF-Sendernetz zu interessieren". Zur Disposition stehen 40 Prozent des Unternehmens.

Die Österreichische Rundfunksender GmbH & Co KG - kurz ORS - ist eine 100-prozentige ORF-Tochter und seit Anfang 2005 mit rund 100 Mitarbeitern operativ tätig. Die ORS, deren Ausgliederung im Vorjahr vom ORF-Stiftungsrat beschlossen wurde, betreibt mit knapp 500 Standorten ein flächendeckendes terrestrisches Netz an Fernseh- und Radio-Sendeanlagen. "Die ORS wird bereits ab ihrem ersten Geschäftsjahr profitabel arbeiten und einen Umsatz in einer mittleren zweistelligen Millionenhöhe erzielen", heißt es in der "Aufforderung zur Abgabe einer Interessenbekundung".

40 Prozent "an einen oder mehrere Investoren"

Wrabetz spricht auf Nachfrage von zirka 50 Millionen Euro Umsatz. 40 Prozent der ORS-Anteile sollen "an einen oder mehrere Investoren" abgegeben werden. Die Mehrheit bleibt aber beim ORF. "Wir wollen die Kontrolle behalten", so Wrabetz. An weitere Privatisierungsschritte sei nicht gedacht. Zur möglichen Erlöshöhe gibt sich der ORF-Finanzchef verschwiegen. In der Branche wird der Gesamtwert des Unternehmens jedenfalls auf einen Eurowert im höheren zweistelligen Millionenbereich geschätzt.

Ausschreibungstext

Mit der Veräußerung werden vom ORF laut Ausschreibungstext folgende Ziele verfolgt: Fokussierung des ORF auf die Veranstaltung von TV- und Radioprogrammen für die Allgemeinheit, Eröffnung von Wachstumsmöglichkeiten bei der technischen Verbreitung von Rundfunksignalen und verwandten Geschäftsfeldern, Stärkung der finanziellen Struktur im Zusammenhang mit der anstehenden Digitalisierung des terrestrischen Rundfunks (DVB-T).

Bis 4. März können sich interessierte Unternehmen nun bei der deutschen Privatbank Sal.Openheim melden, die sich für den ORF in einem mehrstufigen Verfahren auf Investorensuche macht. Bis Sommer soll eine Short-List entstehen. Über mögliche Beteiligungspartner will Wrabetz zum jetzigen Zeitpunkt "keine Aussagen" machen.

Die Interessenten

In der Vergangenheit wurden aber bereits Finanzinvestoren wie Raiffeisen oder die Bawag - die Gewerkschaftsbank ist übrigens maßgeblich am Privatsender ATVplus beteiligt - als mögliche Interessenten genannt. Auch die Namen nationaler und internationaler Telekom-Unternehmen wurden zuletzt kolportiert. Begehrlichkeiten nach einer ORS-Beteiligung werden etwa der Telediffusion de France (TDF) nachgesagt. Das französische Unternehmen hat zuletzt das finnische Pendant zur ORS zu 100 Prozent übernommen. (APA)

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