Uruguay: Linksparteien haben Mehrheit im Kongress

19. Februar 2005, 10:27
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Frühere Guerilla-Kämpfer in Schlüsselpositionen

Montevideo - In der Geschichte Uruguays hat sich ein historischer Wandel vollzogen: Erstmals wurde in dem südamerikanischen Land am Dienstag (Ortszeit) ein von Linksparteien beherrschter Kongress vereidigt, in dem frühere Guerillakämpfer einflussreiche Positionen innehaben. Jose Mujica, einer der Gründer der früheren Stadtguerilla Tupamaros, eröffnete in Montevideo die neue Legislaturperiode und nahm im Oberhaus des Kongresses seinen neuen Senatorenkollegen den Amtseid ab.

Auch das Abgeordnetenhaus trat zur konstituierenden Sitzung zusammen und wählte das einstige Tupamaros-Mitglied Nora Castro zur Präsidentin und damit zur ersten Frau an der Spitze des Unterhauses.

Der 70-jährige Mujica, der in der Zeit der Militärdiktatur (1973-1985) zwölf Jahre unter härtesten Bedingungen im Gefängnis überlebte, vereidigte unter anderen auch Ex-Staatschef Julio Sanguinetti, der als erster Präsident nach dem Ende der Diktatur das Land regierte. Nach der Amtseinführung nahmen Mujica und Castro eine Militärparade des Florida-Bataillons ab. Der Ex-Guerillero sagte bewegt, der ganze Vorgang sei "fast kafkaesk". Schließlich sei er damals von Soldaten des Florida-Bataillons ins Gefängnis gesteckt worden.

Ende Oktober hatte das Linksbündnis Encuentro Progresista-Frente Amplio (EPFA) mit seinem Spitzenkandidaten Tabare Vazquez bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen einen historischen Sieg errungen und die absolute Mehrheit in beiden Parlamentskammern erobert. Vazquez, der im März sein Amt als Präsident antritt, ist der erste Linkspolitiker an der Spitze Uruguays, das mit Ausnahme der Junta-Zeit seit 1825 von liberal-konservativen Parteien regiert wurde. Mujica ist formal die Nummer drei im Land, nach Vazquez und Vize-Präsident Rodolfo Nin Novoa.

Die von Mujica mitbegründete und nach dem Inkakönig Tupac Amaru benannte Guerillaorganisation der Tupamaros bekämpfte seit Mitte der 60-er bis in die 70-er Jahre hinein die Regierung in Montevideo. Ihr Konzept der "Stadtguerilla" mit Entführungen hochgestellter Persönlichkeiten und Anschlägen in den Großstädten wurde in Europa unter anderem von den italienischen "Roten Brigaden" und der deutschen Rote Armee Fraktion (RAF) nachgeahmt. (APA)

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