IAEO-Chef: Kein Beweis für Entwicklung iranischer Atomwaffen

17. Februar 2005, 16:47
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El Baradei kritisiert Haltung der USA

Washington - Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO), Mohamed El Baradei, sieht keine Beweise für die heimliche Entwicklung von Atomwaffen durch den Iran. Der "Washington Post" sagte El Baradei, wenn er das Gesamtbild betrachte, könne er keine Hinweise für die Anreicherung von Uran im Iran feststellen. Er hoffe, dass dies so bleibe, bis eine Vereinbarung über einen dauerhaften und bindenden Verzicht auf die Anreicherung von Uran und die Entwicklung von Atomwaffen erzielt werde.

Blix: Keine Beweise für Atomwaffenpläne

Nach Ansicht des schwedischen Atomexperten Hans Blix ist die Herstellung von Nuklearwaffen für Iran eine bloße Entscheidungsfrage. "Wenn die Iraner Uran zu fünf Prozent anreichern können, dann können sie es auch zu 90 Prozent anreichern", sagte Blix den "Salzburger Nachrichten" vom Mittwoch. Der schwedische Diplomat und frühere Direktor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) in Wien sieht jedoch keine Beweise für einen Plan Irans, Atomwaffen zu bauen.

Blix, der auch Chef der UN-Waffeninspekteure für den Irak war, hält es für möglich, dass Nordkorea nur vorgibt, im Besitz einer Atombombe zu sein: "In der IAEO pflegten wir zu sagen, dass die Nordkoreaner entweder so verschwiegen sind, weil sie viel mehr haben, als sie zugeben, oder weil sie viel weniger haben. Es ist möglich, dass sie bluffen". Sicher sei jedoch, dass Nordkorea über mehr Plutonium verfüge als das Land deklariert habe. (Schluss) ed

Der IAEO-Generaldirektor lobte zugleich die Bemühungen des EU-Trios Deutschland, Frankreich und Großbritannien, den Iran zu einer solchen Vereinbarung zu bewegen. Dagegen kritisierte er die Haltung der US-Regierung, nicht mit Teheran zu verhandeln. Der einzige Weg zur Beilegung der Krise bestehe darin, dass Washington sein Gewicht an der Seite der Europäer in die Waagschale werfe.

Die USA werfen der iranischen Führung vor, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Deutschland, Frankreich und Großbritannien verhandeln mit Teheran im Namen der Europäischen Union über ein Abkommen, in dem das Land sein umstrittenes Atomprogramm aufgeben soll. Im Gegenzug sollen dem Iran unter anderem Handelserleichterungen gewährt werden. Die EU hofft, dadurch mögliche Militäraktionen der USA oder Israels gegen Teheran verhindern zu können.

Der Streit um das Atomprogramm ist auch Thema bei den Gesprächen zwischen dem deutschen Außenminister Joschka Fischer und seinem iranischen Kollegen Kamal Kharrazi am Mittwoch in Berlin.(APA)

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