Albertina investiert in Tiefspeicher-Ausbau

21. Februar 2005, 21:40
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Überschüsse erlauben raschere Baufortschritte

Wien - Eine Besucherbilanz "weit über Plan" und ein "beträchtlicher erwirtschafteter Überschuss" führen dazu, dass die Albertina ihren neuen Tiefspeicher samt Studiensaal um vier bis fünf Jahre früher als geplant in Betrieb nehmen kann.

Der Innenausbau beginnt bereits Anfang März, die Befüllung mit den rund 1,5 Millionen Werken des Albertina-Bestandes startet im Sommer, die Aufnahme des Studiensaal-Betriebs ist für den kommenden Winter geplant. Die Kosten von 5,7 Mio. Euro werden zu mehr als zwei Dritteln aus dem Budget der Albertina bestritten. All das gab Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder am Dienstagabend im Gespräch mit Journalisten bekannt.

Keine Subventionserhöhung, dafür Schenkungen

Der Umstand, dass im Vorjahr 750.535 Besucher (21 Prozent davon Schüler und Studenten, 16 Prozent Senioren) kamen, hat das rasche Vorantreiben des Innenausbaus im Tiefspeicher ermöglicht. Die lange angestrebte Anhebung der Basis-Subventionen des Bundes werde es jedoch vermutlich nicht geben, fürchtet der Albertina-Direktor: "Ich habe gute Gründe anzunehmen, dass es dazu nicht kommen wird. Ich stelle mich jedenfalls darauf ein." Für die den Museen versprochenen zusätzlichen Sicherheits-Mittel habe man eingereicht, "aber es ist noch nichts entschieden".

Erfolgreich sei man auch beim Vergrößern der Sammlung. Dabei habe 2004 der Wert der Schenkungen (etwa von Alex Katz, Herbert Brandl, Hubert Scheibl und Arnulf Rainer) mit rund 707.000 Euro jenen der Ankäufe (655.000 Euro) sogar übertroffen. Die Fotosammlung kann auf Grund von speziell gewidmeten Schenkungen wie jener Euro-Million, die ein anonymer Fotofreund der Albertina zukommen ließ, erweitert werden.

"Zurückfahren" alter Meister

Großer Beliebtheit erfreue sich die Albertina auch im internationalen Leihverkehr, schilderte Schröder. Über 245 internationale Leihgeber für Albertina-Ausstellungen zeigten das Standing des Hauses ebenso wie 1.770 selbst verliehene Sammlungsobjekte. Derzeit ist ein schwer gesicherter und hoch versicherter Spezialtransport Richtung Madrid unterwegs, wo ab 8. März im Prado eine große Dürer-Schau gezeigt wird.

Im Ausstellungsjahr 2005 sollen die Alten Meister etwas "zurückgefahren" werden. Ab 11. März wird die erste umfassende Mondrian-Retrospektive in Österreich gezeigt, ab 8. April werden Meisterwerke der Sammlung Krugier-Poniatowski mit hauseigenen Beständen konfrontiert, mit Anton Kolig (ab 4. Mai) und Rudolf von Alt (ab 9. September) sind österreichische Künstler berücksichtigt, von Jannis Kounellis wird im Herbst der angekaufte 50-teilige Foto-Zyklus "Opus One" gezeigt, mit "Portraits im Aufbruch" (ab 1. Juli) und "Street Photography" (ab 21. Oktober) sind zwei weitere Ausstellungen der Fotografie gewidmet.

Evaluierung begutachtet

Im Rahmen der lange angekündigten, jedoch vom Bildungsministerium bisher nicht veröffentlichten Museums-Evaluierung sei die Albertina durch Hein-Thomas Schultze Altcappenberg, Direktor des Kupferstichkabinetts Berlin, begutachtet worden. Schröder erwartet ein "sehr sehr positives Gutachten", hätte aber auch bei einer anderen Bewertung nicht von seinem Recht einer schriftlichen Kommentierung des Ergebnisses Gebrauch gemacht.

Zwar hält er weiterführende Überlegungen zur Struktur der Museumslandschaft für notwendig, den jüngsten Überlegungen des Grünen Kultursprechers Wolfgang Zinggl kann Schröder jedoch nicht viel abgewinnen - schließlich ginge es nach dessen Konzept der Albertina an den Kragen. "Die einzige Kuh, die Milch gibt, zu schlachten - das ist vielleicht keine besonders gute Idee", gab er zu bedenken und verwies darauf, dass auch historisch gewachsene Sammlungen ein schützenswertes Gut darstellten. (APA)

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