Kyoto-Protokoll startet ohne USA

16. Februar 2005, 18:09
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Präsident Bush setzt auf freiwillige Initiative - Mit Infografik

Washington/Wien - Wenn Mittwoch das Kyoto-Protokoll für den Klimaschutz in Kraft tritt, ist der weltweit größte Produzent der Treibhausgase nicht mit von der Partie: Die USA, die für 36 Prozent des globalen Ausstoßes von Kohlendioxid verantwortlich sind, schränken durch ihre Verweigerung die Wirksamkeit des Abkommens drastisch ein.

US-Präsident George W. Bush setzt weiter ganz auf die freiwillige Initiative der Industrie und steuerliche Anreize für den Klimaschutz. Als Zielvorgabe hat er genannt, dass die "Intensität" der Emissionen von Treibhausgasen bis 2012 um 18 Prozent gegenüber 2002 verringert wird.

Die Umweltorganisation World Resources Institute in Washington schätzt aber, dass bei Fortsetzung der derzeitigen Politik die Emissionen in den USA bis 2012 um rund 14 Prozent gegenüber 2002 zunehmen werden.

Unzufriedenheit auch mit Österreich

Doch auch in Österreich herrscht Unzufriedenheit mit dem Vorgehen der Regierung im Zusammenhang mit dem Kyoto-Protokoll. Eine "Straße der Klimaschutzversager" hat die Umweltorganisation Global 2000 am Dienstag vor dem Bundeskanzleramt in Wien eröffnet. Die in den vergangenen zehn Jahren für Umweltpolitik zuständigen Minister (alle V) Josef Pröll (Anstieg 5,132.000 Tonnen CO2), Wilhelm Molterer (Anstieg 6,031.000 Tonnen), Martin Bartenstein (Anstieg 244.000 Tonnen) und Maria Rauch-Kallat (Anstieg 3,455.000 Tonnen) wurden mit ihren Emissionsmengen per Hand- und Fußabdruck verewigt.

"Bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls liegt Österreich EU-weit an viertletzter Stelle. In Österreich sind von 1990 bis 2003 die Emissionen prozentuell sogar stärker angestiegen als in den USA", kritisierte Karl Schellmann von Global 2000. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2005)

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