FPÖ und SPÖ legen Streit um Seebühne bei

17. Februar 2005, 16:04
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Kärntens blau-rote Koalitionspartner sagen angekündigten "Kriegsfall" wieder ab

Klagenfurt - Diese Wende kam selbst für Eingeweihte überraschend. Am Montag hatte SPÖ-Chef Peter Ambrozy das Finanzdebakel um die Klagenfurter Seebühne als "Casus Belli" für die blau-rote Koalition bezeichnet. Tags darauf war alles wieder Liebe und Waschtrog und der explosive Koalitionsstreit beigelegt. Man hatte sich wieder auf eine gemeinsame Vorgangsweise für die Seebühne geeinigt.

Die Vorgeschichte: Montagabend trafen einander Ambrozy und FPÖ-Chef Martin Strutz zu vertraulichem Gespräch. Man kam einander sozusagen auf halbem Wege entgegen und beschloss: Die SPÖ hört auf, die konkursreife Finanzlage der Seebühne zu hinterfragen, die FPÖ stimmt dafür einer Gebarungsprüfung zu, die von zwei den beiden Parteien nahe stehenden Steuerberatern vorgenommen wird. Die SPÖ stimmt weiters einer Bespielung der Seebühne auch für 2005 zu. Bisher hatte sie eine Auszeit verlangt, um einen unbelasteten Neustart zu ermöglichen.

Doch dann beugte sich Ambrozy offenbar dem Argument der FPÖ, das Land müsste in diesem Fall den Großteil der Bundesförderung von 1,3 Millionen Euro zurückzahlen. Rein rechtlich sei das, so ein Jurist auf Anfrage des STANDARD, noch nicht besprochen gewesen. Vermutlich wäre die Seebühne allerdings in den Konkurs geschlittert.

Das Problem mit der Endbilanz wäre damit also erledigt. Zuvor hatte die FPÖ die bisherigen Prüfer Rossbacher&Huber und durch einen nahe stehenden ersetzen lassen, weil erstere den Finanzskandal auf der Seebühne aufgedeckt hatten. Der freiheitliche Prüfer Dietmar Birnbacher konnte dann prompt einen Überschuss entdecken.

Kein Problem hat SP-Chef Ambrozy auch mit der vor kurzem noch eingeforderten Offenlegung der Ablösesumme für Doch-nicht-Intendant Renato Zanella. Das würden die Freunde der Seebühne, "wohlhabende Leute, denen die Seebühne etwas wert ist", übernehmen, erklärte Haider flapsig neben seinem Koalitionspartner - und der nahm das ohne näheres Hinterfragen hin. Wer diese Freunde seien, wollte Haider allerdings nicht sagen. Nur einmal zuckte Ambrozy merklich zusammen:

Als ihm Haider vor laufenden Kameras versuchte, die Wörthersee-Festspielgesellschaft als Vertragspartner für den neuen Seebühnen-Bespieler, die bayrischen Chiemsee-Festspielgesellschaft, aufzudrängen, verweigerte sich der Koalitionspartner. Da würde doch erst wieder das Land die Haftung übernehmen müssen, blockte der sichtlich überrollte Ambrozy ab.

Die Voraussetzungen für den Seebühnen-Untersuchungsausschuss im Landtag wären also gegeben - gewesen. Denn das wiedervereinte blau-rote Tandem machte unmissverständlich klar, dass man ohnehin an einer lückenlosen Aufklärung arbeiten werde. Ohne Ausschuss. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2005)

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