TV-Markt: "Wie eine Krake über Österreich"

27. Dezember 2005, 17:08
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"Der ORF dürfte Puls TV als ernst zu nehmende Gefahr sehen": Sandra Grünberger, 23, klingt dabei ein wenig verwundert

"Der ORF dürfte Puls TV als ernst zu nehmende Gefahr sehen": Sandra Grünberger, 23, klingt dabei ein wenig verwundert. Die Tochter des millionenschweren Schöps-Gründers und Immobilienmultis Leopold Böhm hat sich am Wiener Stadtsender Puls beteiligt.

Puls bekam eine Frequenz, die der ORF mit seinem zweiten Fernsehprogramm bespielte. Heute läuft nur noch "Wien heute" um 19 Uhr als halbstündiger Frequenzgast im privaten Programm von Puls.

Vor dem Start des kleinen Konkurrenten drängte der ORF die Wiener Zuschauer mit knapp einer Woche Testbild und Umschalthinweisen, die Frequenz zu wechseln.

Aber auch von der jüngsten Kampagne für "Wien heute" fühlt sich Grünberger gemeint: "Nix ist fix" titelte der ORF Wien auf Plakatwänden. Die Auflösung: Nur "Wien heute" sei fix. Eine Spitze gegen Puls TV, wo nach dem Abgang von Gründungsgesellschafter und Manager Helmut Brandstätter heftig Personal gespart und Programm umgebaut wird.

Franz Prenner darf immerhin versuchen, dem ORF österreichweit mit ATV+ Konkurrenz zu machen. Gut eineinhalb Jahre nach dem Neustart des Senders haben seine Marktanteile die Marke von fünf Prozent längst nicht erreicht. Der ORF liegt, je nach Zählmethode, zwischen 45 und 50 Prozent.

"Wir sind die einzigen in diesem Land, die Fernsehen machen dürfen": Noch immer hat sich dieses jahrzehntelang gepflegte Bewusstsein nicht ganz vom Küniglberg verflüchtigt, sagt ATV-Manager Prenner. Der ORF habe sich "wie eine Krake über Österreich breit gemacht".

"Wir bekennen uns zur Konkurrenz", entgegnet da Wrabetz für einen ORF, der den TV-Markt beherrscht: Die größten Konkurrenten, Sat.1 und RTL, bleiben unter zehn Prozent Marktanteil bei den Zuschauern. Dem ORF bleiben zudem mehr als 70 Prozent der gesamten TV-Werbung in Österreich. "Konkurrenz heißt nicht, kampflos das Feld zu räumen", ergänzt der ORF-Manager.

Acht Jahre im ORF haben in Prenner eine "Hassliebe" zum ORF geweckt. Und Verwunderung: Eine eigene Entwicklungsabteilung kreißte, und geboren war eine Kopie von "Genial daneben" auf Sat.1 - beim ORF "Was gibt es Neues?". ATV+ indes kaufte das Format von der deutschen Produktionsfirma und besetzt es mit Österreichern. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2005)

  • Sandra Grünberger und Franz Prenner.
    foto: der standard/hendrich

    Sandra Grünberger und Franz Prenner.

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