Eine Anstalt sucht ihre Zukunft

27. Dezember 2005, 17:08
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Das Programm ähnelt den Privaten, die Nähe der Politik ist greifbar - Das Montagsgespräch des STANDARD zur Zukunft des ORF

Das ORF-Programm ähnelt den Privaten. Die Nähe der Politik ist greifbar. Harald Fidler berichtet über ein Montagsgespräch des Standard zur Zukunft des ORF.

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"Einen Zorn" musste Heide Schmidt Montagabend "schon artikulieren": "Bis zur letzten Minute" habe der ORF offenkundig geglaubt, er müsse beim Montagsgespräch des STANDARD, moderiert von Chefredakteur Gerfried Sperl, über die Zukunft der Anstalt nicht präsent sein. "Wir stehen drüber", interpretiert die frühere Chefin des Liberalen Forums den ORF, die nun das Institut für eine offene Gesellschaft leitet: "Das ist skandalös."

Alexander Wrabetz, der kaufmännische Direktor des ORF, kam dann doch. Und sprach bemerkenswert offen vom Einfluss der Politik und dass man durchaus am ORF-Gesetz drehen könnte, um den einzudämmen. "Kein ideales Unternehmen" sei die Anstalt, räumte er bei aller Verteidigung ein. Und zu verteidigen gab es viel.

Die zentralen Kritikpunkte: Die ÖVP kontrolliere den ORF, vielleicht mehr als andere Regierungsparteien vor ihr. Der privaten Konkurrenz lasse der übermächtige ORF keinen Platz. Der ORF orientiere sich allein an möglichst vielen Zuschauern. Darin unterscheide er sich kaum noch von privaten Programmen, insbesondere in ORF 1.

Mit österreichischem Sport und - als einzige Station - österreichischem Kinderprogramm, hält Wrabetz entgegen. Dem "schlechtesten im deutschsprachigen Raum", entgegnet Andrea Schurian, die den ORF verlassen hat.

Wozu also noch Gebühren für den ORF, wenn die Unterschiede zu Privaten schwinden? ATV+ und Puls fordern schon einen Teil der ORF-Gebühr, wenn sie öffentlich-rechtliche Programme bieten.

ORF-Redakteur Klaus Unterberger hat eine Diskussionsplattform von unzufriedenen Mitarbeitern der Anstalt initiiert. Die hofft auf mehr Qualität durch mehr Geld: "Unhaltbar" sei, dass ein Drittel der ORF-Gebühren nicht der Anstalt, sondern Bund und Ländern zufließen.

Er empfiehlt einen Blick auf die britische BBC. Die hat sich vorgenommen: Was sie produziert, muss öffentlichen Wert haben. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2005)

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    foto: der standard
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