Direktor der Bundespolizei Linz: "Ich dulde sicherlich keine Prügelpolizei"

18. Februar 2005, 08:54
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Zwei gewaltsame Polizeiaktionen in nur wenigen Tagen - Augenzeugen sprechen von übertriebener Härte – für die Polizei "Amtshandlungen"

Linz – Tatort Hauptbahnhof Linz. Der Sicherheitsdienst der ÖBB ruft die Polizei zu Hilfe, weil ein alkoholisierter Mann nicht aufhören will, die Passagiere zu belästigen. Ein Beamter, so berichten Augenzeugen, hätte den Mann zu Boden gerissen und getreten. Anschließend seien ihm die Hände auf den Rücken gedreht worden, und es klickten die Handschellen.

Blaue Flecken

Nur wenige Tage darauf wurden wieder Polizisten vom Wachzimmer Bahnhof angefordert – von einem Securitydienst der Linz Linien. Eine Frau, die bei einer Fahrscheinkontrolle in der Straßenbahn ohne gültigen Fahrschein erwischt wurde, verweigerte wild gestikulierend die Angabe ihrer Daten. Sie sei dann brutal in das Wachzimmer gezerrt und vorübergehend festgenommen worden, berichtet die 51-Jährige. Ein Polizeiarzt habe auch blaue Flecken am Oberarm der Linzerin diagnostiziert.

"Korrekt"

Der Direktor der Bundespolizei Linz, Walter Widholm, bestätigt, dass bei beiden Aktionen seine Beamte gewaltsam einschreiten mussten. "Ein derartiger Polizeieinsatz wie im Falle des alkoholisierten Mannes sieht schrecklich aus", gibt er zu. Doch die Augenzeugen kennten die Vorgeschichte nicht, die Amtshandlung sei zu Recht gesetzt worden. Das Gleiche gelte auch für jenen Zwischenfall mit der mutmaßlichen Schwarzfahrerin. Nachdem sie sich nicht ausweisen hatte können, musste sie, gegen ihren Willen, mit aufs Wachzimmer genommen werden. Die Festnahme war für Widholm korrekt.

Dennoch lasse er jetzt die aktuellen Vorfälle prüfen. "Ich dulde in Linz sicherlich keine Prügelpolizei", betont er. Deshalb wurden die Akten beider Fälle an die interne Abteilung des Innenministeriums geschickt. Dort wird nur entschieden, wie es weitergeht.

Schwarze Schafe

Die so genannten schwarze Schafe ausfindig zu machen ist für der Klubobmann der Grünen Oberösterreich, Gunther Trübswasser, die falsche Politik. Für ihn zeigen die jüngsten "Übergriffe" vielmehr eines: "Der Umgang mit Menschen gehört genauso geübt wie der mit der Waffe." Und das, so habe er den Eindruck, geschehe bei der Linzer Polizei nicht im entsprechenden Ausmaß. Verhalten in Grenzsituationen müsse ständig geübt werden.

Vorurteile abbauen

Außerdem gehörten Vorurteile bei den Polizisten abgebaut. Warum sei gegen einen betrunkenen Obdachlosen und eine Schwarzfahrerin mit dieser übermäßigen Härte vorgangen worden? "Auch soziale Vorurteile sind eine Form der Diskriminierung", merkt Trübswasser an. Schon vor zwei Jahren habe er Widholm einen Workshop der Antirassismusstelle zu diesem Thema angeboten. Der Polizeidirektor habe auch Interesse an einer Schulung für Beamte gezeigt, doch dabei sei es geblieben. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 16.02.2005)

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