Böhler spitzt auf Buderus Edelstahl

16. Februar 2005, 13:13
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Edelstahlhersteller führt Exklusivverhandlungen mit der deutschen Bosch-Gruppe über Zukauf in Deutschland

Wien – Nach dem Kauf von Villares Metals in Brasilien im Frühjahr 2004 und dem Bau der weltgrößten Spindelpresse in Kapfenberg um 25 Millionen Euro steht der Edelstahlhersteller Böhler-Uddeholm (BU) wieder vor einer Großakquisition: Objekt der Begierde ist die zum deutschen Bosch-Imperium gehörende Buderus Edelstahl in Wetzlar, eine Schwester des Heiztechnikspezialisten Buderus Heiztechnik.

Wie aus Unternehmens- und Bankenkreisen durchsickerte, sind die Exklusivverhandlungen mit Böhler-Chef Claus J. Raidl, zu denen sich die Bosch-Gruppe verpflichtet hat, bereits weit gediehen.

Preisvorstellungen gehen weit auseinander

Am Montag der Vorwoche soll es in Stuttgart bereits ans Eingemachte, also um den Preis gegangen sein, wo die Vorstellungen allerdings weit auseinander gingen. Auch Umweltfragen seien noch offen, heißt es. Derzeit seien Rechtsexperten und Anwälte am Zug, nächster Verhandlungstermin ist den Quellen zufolge erst in einem Monat.

Gerüchte über eine mögliche Übernahme der damals noch börsennotierten Buderus Edelstahl durch Böhler gab es bereits im April des Vorjahres, es blieben vorerst allerdings solche. Damals hatten Analysten und in der Folge die Raiffeisen Centro Bank den Kaufpreis für Buderus Edelstahl mit 125 Millionen Euro taxiert.

Verkauf liegt nahe

Die Buderus-Gruppe, bekannt als Heiztechnikspezialist, war 2003 für mehr als 1,5 Milliarden Euro von Bosch übernommen worden. Während die Heiztechnik mit jener von Bosch zur BBT Thermotechnik zusammengeführt wurde, gehören die Edelstahlwerke Buderus AG und die Buderus Gusserzeugnisse nicht zum Kerngeschäft. Ein Verkauf liegt also nahe.

Edelstahlwerke Buderus AG erwirtschaftete 2003 einen Außenumsatz von 334,2 Millionen Euro (davon fast die Hälfte im Ausland) und einen Jahresüberschuss von 6,6 Millionen Euro.

Bei Böhler will man den bevorstehenden Großeinkauf weder bestätigen noch kommentieren. "Kein Kommentar", lässt der Böhler-Chef ausrichten. Zur Strategie passt der Zukauf allemal, denn ohne Akquisitionen kann Böhler beim Umsatz die Zwei-Mrd.-Euro-Grenze nicht überschreiten, wie Raidl im Dezember betont hatte. Nicht interessiert ist Böhler an der Guss-Sparte. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2005)

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