Heimische Institute haben Nachholbedarf bei Geldwäsche-Bekämpfung

25. Februar 2005, 17:15
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KPMG-Studie: "Österreich kein unattraktiver Zufluchtsort" - Volumen von 700 Millionen US-Dollar - Banken weisen die Vorwürfe zurück

Linz - Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft KPMG mit Sitz in Linz ortet Nachholbedarf bei den heimischen Banken in der Bekämpfung der Geldwäsche. Während Institute weltweit ihre Aktivitäten verstärken würden, stagniere dieser Bereich in Österreich oder sei sogar rückläufig, erklärte Gert Weidinger, Leiter von Internal Audit und Forensic im Unternehmen. Auf Grund seiner geopolitischen Lage zwischen Ost und West sei das Land aber sicherlich "kein unattraktiver Zufluchtsort" für Geldwäscher.

Diese Form der Kriminalität erlebe einen wahren Boom, betonte Weidinger. Jüngste Berechnungen des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider würden für heuer weltweit ein Volumen von 1,4 Billionen US-Dollar prognostizieren, vor drei Jahren sei dieser Wert noch bei 800 Milliarden gelegen. Österreich sei zwar ein "Nebenschauplatz", das von Schneider geschätzte Volumen liege aber dennoch bei 700 Millionen US-Dollar, berichtete Weidinger.

"Geringes Interesse" bei 29 Prozent der heimischen Institute

Banken seien "Torwächter des legalen Finanzsystems" und würden große Verantwortung tragen. Dies spiegle sich auch in der Studie der KPMG wider, die unter 209 Instituten aus 41 Staaten durchgeführt worden sei. Die Bekämpfung der Geldwäsche sei für 61 Prozent der befragten Banken eine vordringliche Aufgabe des höheren Managements, in Österreich liege dieser Wert aber nur bei 14 Prozent, erklärte Weidinger. 29 Prozent der heimischen Institute würden dem Kampf überhaupt nur geringes Interesse beimessen.

In den vergangenen drei Jahren hätten die Banken weltweit ihre Ausgaben in diesem Bereich um 61 Prozent gesteigert. Zwei Drittel der heimischen Institute hingegen hätten angegeben, die Investitionen um lediglich zehn bis 50 Prozent erhöht zu haben, so das Ergebnis der Befragung. Eine Veränderung dieses Werts in den kommenden drei Jahren sei nicht zu erwarten. Weltweit sollen die Ausgaben aber um durchschnittlich 43 Prozent steigen.

"Gesetzgebung am Zug"

Die Banken würden im Kampf gegen Geldwäscher hauptsächlich in die Transaktionsüberwachung investieren. Als zweitwichtigste Maßnahme hätten sie weltweit Mitarbeiterschulungen eingeführt, in Österreich hingegen hätten in den vergangenen zwei Jahren 33 Prozent der Institute nur jeden fünften Beschäftigten geschult. Keine einzige Bank habe die Maßnahmen in diesem Bereich, der laut Weidinger eine "wesentliche Speerspitze" sei, auf mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter erhöht.

Der KPMG-Experte sieht die heimische Gesetzgebung am Zug: Die Datenschutzbestimmungen würden einer transparenteren Informationsübergabe noch entgegenstehen. Der Staat sei gefordert, in Abwägung aller Interessen den Banken ein entsprechendes Umfeld zur Verfügung zu stellen.

Banken: Haben hohe Standards

Der Geschäftsführer der Bundesparte Bank und Versicherung, Herbert Pichler, wies die Schlussfolgerungen der KPMG in einer Aussendung zurück: Die österreichische Kreditwirtschaft habe sich immer zu den für sie mit hohem Aufwand und Kosten verbundenen Bemühungen gegen Geldwäsche bekannt und dies seit Jahren durch eine Reihe von Maßnahmen unter Beweis gestellt.

Wie Pichler weiter betonte, seien gerade die hohen Investitionen in diesem Bereich sowie die Schulung und Sensibilisierung für neue Entwicklungen laufende Schwerpunktthemen in den österreichischen Kreditinstituten. Grundlage aller dieser Bemühungen seien die Effizienz des gesetzlich vorgesehenen Meldesystems und die dabei bestehende gute Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt.

Im Hinblick auf die ständige Diskussion über weitere Maßnahmen auf europäischer und internationaler Ebene zusätzliche gesetzliche Schritte in Österreich zu fordern, gehe an der Problematik "völlig vorbei", kritisierte Pichler. (APA)

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