Das erste Mal

17. Februar 2005, 13:22
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... oder was wir bisher unseren UserInnen noch nie verraten haben

Das erste Mal selbstständig

Die Zeit der schwarz-blauen Regierungsbildung und der EU-Sanktionen war auch die Zeit heftiger Diskussionen - nicht nur europaweit, sondern auch in den heimischen Redaktionsstuben. Der Weisenbericht vom 8. September 2000 war fertig und wurde inoffiziell verbreitet, allerdings nur auf Spanisch.

Der Print-STANDARD, der bereits ein Exemplar ergattert hatte, wollte es nicht mit seiner Onlineschwester teilen, damit diese nicht den Bericht veröffentlicht, bevor die Zeitung erscheint. Zehn Minuten dauerte es, bis auch die Onlineredaktion das 200-Seiten-Dokument in Händen hielt. Auch Onlineredakteure haben Kontakte.

Das erste Mal Aktualitätssieger

Bei der chaotischen US-Wahl 2000 vermischte sich Print- und Onlineberichterstattung auf derStandard.at zu einer schlagkräftigen Einheit. "Symbiose, Idealzustand, Musterbeispiel", schwärmen noch heute die Onlineredakteure von dieser Zusammenarbeit, die immer noch nicht alltäglich ist. Jedes Medium hat seine Stärke ausgespielt. Die Aktualität kam von der Onlineredaktion, die Analyse live aus den USA vom Printkorrespondenten Erhard Stackl.

Weder Bush noch Al Gore wurde in den frühen Morgenstunden zum Sieger erklärt, sondern konsequent nur berichtet, was auch belegbar war, nämlich dass das Florida-Ergebnis weiterhin unklar war. Warum derStandard.at da so sicher war und sich nicht von der Hysterie der Fernsehstationen anstecken ließ? Ein einfacher Trick, der es auch bei der Wahl 2004 erlaubte, aktueller zu sein als CNN, WSJ und alle anderen bekannten Medien in den USA, und der auch nicht verraten wird, denn die nächste US-Wahl kommt bestimmt. Und wehe CNN berichtet auch nur eine Sekunde früher als derStandard.at darüber, wer ins Weiße Haus einzieht!

Das erste Mal im Fernsehen zitiert

Der erste journalistische Erfolg war auch gleichzeitig der erste Gehversuch mit eigenständig recherchierten Geschichten: Rainer Schüller verschaffte sich einen Interviewtermin beim ÖVP-Spitzenkandidaten Gerhard Jellasitz zur Landtagswahl am 3. Dezember 2000. Jellasitz kündigte in diesem Interview seinen Rücktritt für den Fall an, dass das Ergebnis Stimmenverluste für seine Partei bringen würde. Die Austria Presse Agentur misstraute dem Onlinemedium und brachte das Gespräch nicht. Der ORF erkundigte sich vorsichtig nach der Zuverlässigkeit der Aussagen. Nachdem die ÖVP tatsächlich Stimmen verloren hatte, wurde Jellasitz vor laufender Kamera gefragt, ob er nun wirklich zurücktreten werde, so wie er das auf derStandard.at angekündigt hatte. Mit Jellasitz' Bestätigung des Rückzuges hatte derStandard.at seine erste Exklusivgeschichte. Niemals wieder wird es eine so stolze Onlineredaktion geben.

Das erste Mal Ausnahmezustand

Bert Eder hatte Dienst, wie immer, wenn ein Flugzeug abstürzt. Auch am 11. September 2001 war es wieder so weit, ein "kleines Sportflugzeug" machte Probleme. Ein Blick auf cnn.com zeigte die ersten Bilder und Zweifel machten sich breit. Alle MitarbeiterInnen stürmten vor den einzigen Fernseher und erlebten live den Angriff des zweiten Flugzeuges auf das World Trade Center.

Die Onlineredaktion konzentrierte sich weit gehend auf die CNN-Berichterstattung, tippte sofort das Gesehene und Gehörte ins Redaktionssystem ein, auf die Agenturmeldungen zu warten dauerte zu lange. Schwierig war es auch, mit dieser totalen Ungewissheit fertig zu werden, welche Meldung ist seriös, welche totaler Unsinn? 10.000 Tote? Japanische Terrorgruppe bekennt sich zum Anschlag? Bin Laden als Drahtzieher? Mohammed Atta als Anführer?

Das erste Mal Themenführerschaft

Im Wahlkampf 2002 beherrschte die Aussage des SPÖ-Chefs Alfred Gusenbauer, er werde in Opposition gehen, wenn er nicht Erster würde, tagelang die Medien. derStandard.at wurde auf und ab zitiert, weil Gusenbauer netterweise diese Ankündigung im derStandard.at-Chat machte.

Im Stress des Livechats hätte derStandard.at die Brisanz des Sagers beinahe verschlafen, wenn die Austria Presse Agentur da nicht dem Onlinemedium auf die Sprünge geholfen hätte.

Das erste Mal Routine

Den Beginn des Irakkrieges verbrachte der Chef der Onlinepolitik, Rainer Schüller, zu Hause auf seinem Sofa und schlief. Es lag zwar die Digitalkamera bereit, denn der Beginn der Angriffe war für die Morgenstunden angekündigt, aber ein aufgeregtes Warten, wann genau es so weit sein würde, tat er sich nicht mehr an. Sobald der erwartete Anruf kam, Fernseher an, Foto der Livebilder gemacht, Text war schon vorbereitet und fertig war der Irak-Aufmacher. Die großen Ereignisse sind auch in der Onlineredaktion (fast) Routine geworden.

Ein Text von Gerlinde Hinterleitner.
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