Slowenien unterstützt EU-Beitrittsambitionen Mazedoniens

17. Februar 2005, 09:45
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Drnovsek: Beitrittsziel 2010 "ambitioniert" - Crvenkovski bezeichnet Laibach als Vorbild

Laibach - Slowenien unterstützt die EU-Beitrittsambitionen der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien. "Wir werden nach unseren Kräften danach trachten, dass Mazedonien seine europäischen Perspektiven so bald wie möglich verwirklicht", sagte der slowenische Staatspräsident Janez Drnovsek am Dienstag bei einem Treffen mit seinem mazedonischen Amtskollegen Branko Crvenkovski im Oberkrainer Schloss Brdo bei Krainburg (Kranj).

Slowenien sei für sein Land Vorbild auf dem Weg in die EU und man wolle von den slowenischen Erfahrungen lernen, sagte Crvenkovski. "Slowenien ist ein Erfolgsmodell." Drnovsek bezeichnete die Absicht Mazedoniens, bis zum Jahr 2010 der EU beizutreten, als "ambitioniert". Allerdings sei es gut, wenn sich das Land Ziele setze, zumal es zum Weg in die EU keine Alternative gebe. Viel hänge aber auch davon ab, ob das Land weiterhin politisch stabil bleiben und internationale Investoren anziehen werde können. Slowenien setze sich auch für ein besseres Visaregime für mazedonische Bürger ein, könne aber wegen der einheitlichen Visapolitik der EU-Staaten nicht alleine tätig werden, sagte Drnovsek.

Crvenkovski hatte am gestrigen Montag in Brüssel der EU-Kommission die 14.000 Seiten starken Antworten seines Landes auf den Fragebogen der Brüsseler Behörde übergeben. Die Kommission wird auf Grundlage des Fragebogens untersuchen, ob Mazedonien für den Beginn von Beitrittsverhandlungen reif ist. Die Ausarbeitung dieses Rechtsgutachtens ("avis") dauert in der Regel mehrere Monate. Mazedonien rechnet mit einem Beginn von Beitrittsverhandlungen im Jahr 2007 und ihrem Abschluss innerhalb von drei Jahren.

Die EU hat allen Staaten des Westbalkans grundsätzlich eine Beitrittsperspektive eingeräumt. Die schon beschlossenen Verhandlungen mit Kroatien sind aber jüngst durch dessen als mangelhaft kritisierte Kooperation mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag in Frage gestellt worden. Slowenien ist als erste und bisher einzige frühere jugoslawische Teilrepublik im Vorjahr der EU beigetreten.

Der mazedonische Präsident berichtete bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Drnovsek auch über die Verhandlungen mit Griechenland über den offiziellen Namen des Staates in der UNO, der immer noch "Frühere jugoslawische Republik Mazedonien" (FYROM) lautet, um Verwechslungen mit der griechischen Provinz Mazedonien zu vermeiden.

Im Rahmen des Besuchs wurde auch eine Absichtserklärung zum Abschluss eines Abkommens über Saisonarbeiter und Adoptionen unterzeichnet. Crvenkovski traf in Slowenien mit dem slowenischen Ministerpräsidenten Janez Jansa, Parlamentspräsident France Cukjati, der Laibacher Bürgermeisterin Danica Simsic sowie dem Laibacher Erzbischof Alojz Uran zusammen. Am Mittwoch wird Crvenkovski seinen Slowenien-Aufenthalt mit einem Besuch der berühmten Tropfsteinhöhle Adelsberger Grotte (Postojnska jama) beschließen. (APA/STA/red)

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