Haselsteiner will mit Walter Bau Europas Nummer Eins werden

15. Februar 2005, 19:01
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Nach europäischen Umsätzen heute bereits drittgrößter Player - Mini-Anteil bei Züblin sichert gute Karten für weitere Expansion

Wien - Die Bau Holding Strabag, die in der Nacht auf heute große Teile der insolventen Augsburger Walter Bau übernommen hat, will der größte europäische Baukonzern werden.

"Das werde ich zwar vielleicht nicht mehr erleben, aber für meinen Nachfolger muss auch noch was zu tun bleiben", sagte Konzernchef Hans Peter Haselsteiner am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Nach der Übernahme von großen Teilen der im Jänner insolvent gewordenen Walter Bau wird der aus Spittal an der Drau kontrollierte Konzern zum umsatzmäßig fünftgrößten Player der europäischen Branche.

Dritter Platz

Gemessen an den am Kontinent selbst getätigten Umsätzen liegt die Strabag nach dieser Rechnung heute bereits auf Nummer drei - hinter der schwedischen Skanska und der französischen Vancy.

Durch die Übernahme wächst die österreichisch-deutsche Baugruppe um etwa 1,2 Mrd. Euro Umsatz und rund 4.100 Beschäftigte. Im heurigen Jahr wird mit 37.000 Mitarbeitern ein Gruppenumsatz von 7,5 Mrd. Euro angestrebt. Kaufpreis für den Deal wurde keiner genannt.

Züblin-Beteiligung

Haselsteiner hat in der Vereinbarung mit dem Walter Bau-Masseverwalter auch knapp fünf Prozent an der Stuttgarter Züblin erworben, die zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise zur Strabag-Gruppe dazustößt.

Dies hänge von weiteren Gesprächen mit den beiden anderen Züblin-Großaktionärsgruppen, der BayernLB sowie der Eigentümerfamilie Lenz, ab, sagte Haselsteiner. Sein Mini-Anteil von fünf Prozent sei "Zünglein an der Waage" und sichere ihm eine "komfortable Position" zwischen den beiden Großaktionärsgruppen.

Sollte es zu keiner Übereinkunft mit den Züblin-Aktionären und damit einer "großen Lösung" kommen, wird nur die erworbene Dywidag Holding in den Konzern integriert bzw. mit der deutschen Strabag Köln zusammengeführt. Dies werde "kurzfristig, spätestens mittelfristig" passieren.

Um den Deal zu finanzieren, will Haselsteiner die Tranchen des laufenden Unternehmensbond-Propgrammes von bisher 50 auf 75 Mio. Euro (jährliches Emissionsvolumen) erhöhen. Sollte eine Einigung mit Züblin erfolgen, könne dies eventuell über einen share deal (Aktientausch) bewältigt werden, deutete der Strabag-Chef an.

Erneuter Börsegang nicht aktuell

Ein erneuter Börsegang des Gesamtkonzerns sei derzeit nicht aktuell, sagte Haselsteiner. Die Bau Holding Strabag hatte sich vorvergangenes Jahr von der Wiener Börse zurückgezogen. Davon unabhängig notiert der deutsche Konzernteil, die Strabag Köln, an der deutschen Börse.

Neben dem Umstand, bei Züblin nun einen Fuß in der Türe zu haben, hob Haselsteiner den Erwerb der Heilit Verkehrswegebau (rund 500 Mio. Euro Umsatz) als besonderen Vorzug des Deals hervor. Die Aktivitäten der Heilit im schweren Straßenbau seien eine "perfekte Ergänzung" zu den Straßenaktivitäten der Strabag.

Echte Probleme mit den Kartellbehörden erwartet die Strabag nur in Österreich - wegen der österreichischen Walter Bau-Tochter Dyckerhoff& Widmann. Diese Gesellschaft mit rund 60 Mio. Euro wird jedenfalls nicht in den Konzern integriert und zu einem späteren Zeitpunkt wahrscheinlich verkauft. Für Deutschland erwartet Haselsteiner zwar ein Kartellverfahren, aber keine größeren Probleme.

Kein Job-Abau erwartet

Einen Job-Abbau wegen "Überlappungen" mit bestehenden Strabag-Geschäftsbereichen sieht Haselsteiner nicht: Die neuen Straßenbauaktivitäten seien eine Ergänzung. Und andere Gesellschaften seien entweder in ganz anderen Weltgegenden tätig (DIG - 200 Mio. Euro Umsatz) oder nur deswegen gegründet worden, um Restaufträge für die insolvente Walter Bau abzuwickeln (Dywidag SF- und Ing.-Bau - 450 Mio. Euro Umsatz erwartet). (APA)

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    Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner setztz setzt sich und seiner Firma große Ziele.

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