Fünf Jahre Kosmos-Theater: Mehr zu Tun als nur "Stricken"

21. Februar 2005, 21:31
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Jubiläum von Schließungs-Ängsten begleitet: "Kulturstadtrat hat es auf Theater abgesehen" - Kulturamt: Heute Subvention von 363.000 Euro beschlossen

Wien - In die frühen Achtziger zurückversetzt fühlte man sich bei der heutigen Pressekonferenz im KosmosTheater anlässlich der Präsentation "5 Jahre Kosmos Theater 5 Festivitäten". Kosmos-Leiterin Barbara Klein, PR-Frau Heidi Ambrusch und Choreografin Astrid Bayer saßen strickend am Podium. Klein: "Damit geben wir der möglichen Annahme des Kulturamtes der Stadt Wien Ausdruck, wir haben nix anderes zu tun". Tatsächlich stehen bis April "5 Festivitäten" am Programm, darunter Kabarett, Theater, Musik und ein Symposium. Dennoch fürchtet Klein eine Schließung des Theaters ab Juni. Dazu eine Sprecherin aus dem Kulturamt: "Heute wird die Jahressubvention 2005 in der Höhe von 363.000 Euro im Kulturausschuss des Gemeinderates beschlossen. Es gibt auch laufende Gespräche mit Frau Klein, es stimmt einfach nicht, was sie sagt". ".

Nicht nur an bunten Schals, auch an der Vorbereitung der Festivitäten wird gearbeitet: Zunächst am Gastspiel der Schweizer Frauencombo Les Reines Prochaines mit dem neuen Programm "Halluzination" (26. 2.). Es folgt das Symposium "Widerstand im Sissiland" statt, das Diskussionen zu verschiedenen Frauen relevanten Themen mit Kunstacts verbindet, darunter etwa "Der Körper der Hysterie" mit Miki Malör (3. - 5. 3.). Weiters gibt es eine "GeburtstagsComedyParty zum Totlachen" mit Natascha Gundacker (8. 3.), eine Autorinnenlesung unter dem Titel "LesbenLebensLesezeichen" (9. 3.) und schließlich die "Ladies Night-Fight für Kosmos" (11. 3.). Als Highlight der weiteren Saison wurde "Troilus und Cressida" angekündigt, eine Koproduktion von Toihaus, Theater am Mirabellplatz, Salzburg und dem Berliner Theater des Lachens (6. - 16. 4.).

"Artist without Residence"

Nicht zum Lachen war Astrid Bayer zumute, die ihren Status als "Artist in Residence" des KosmosTheater mangels Subvention aufgeben musste, und sich nun als "Artist without Residence" betrachtet. Ihr für April geplantes Projekt "dance & talk Körperschrift T3D" musste sie absagen: "Ich bin nicht bereit, unter so schlechten finanziellen Bedingungen zu arbeiten". Generell habe sich seit der in Umsetzung begriffenen Theaterreform "das Klima unter den Tanzschaffenden verschlechtert", so Bayer. Die derzeitige unsichere Situation sei für viele "zermürbend".

"Kahlschlag in der Theaterlandschaft geplant"

"Es ist ein Kahlschlag in der Theaterlandschaft geplant", so Klein ergänzend. "Es herrscht eine Stagnation in der Szene seit dieser Reform, die Leute reichen weniger ein und sind müde. Das nützt der Kulturstadtrat aus und lässt die Zeit für sich arbeiten." Die Situation für das KosmosTheater sei sehr "widersprüchlich", so Klein. "Einerseits gab es 2004 eine Förderzusage auf zwei Jahre verknüpft mit der Weitergabe des Mietvertrages, andererseits soll die Intendanz neu ausgeschrieben werden. Der Wiener Kulturstadtrat hat es auf das KosmosTheater abgesehen".

Sich bedroht fühlende Bühnen haben "Wiener Theaterverband" gegründet

Substanzielle Gespräche mit Klein würden nicht geführt, ebenso wenig wie mit anderen "Bittstellern". Daher habe man auch gemeinsam mit anderen um die Schließung fürchtenden Theatern den "Wiener Theaterverband" gegründet. (APA)

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