Kalte Austria gegen heiße Basken

16. Februar 2005, 20:27
19 Postings

Während die Vielchen direkt aus der Winter­pause kommen, steht Athletic Bilbao voll in der Meisterschaft - Polster erhofft magische Nacht

Wien - Wenn nicht General Winter mit Neuschnee noch ein Schnippchen schlägt, dann eröffnet Austria Magna am Mittwoch (20:45/live Premiere) die heimische Freiluft-Ballsaison. Ohne ein einziges Pflichtspiel absolviert zu haben, müssen die Wiener im Happel-Stadion gegen Athletic Bilbao ins kalte Wasser springen und das UEFA-Cup-Hinspiel in der Runde der letzten 32 bestreiten. "Wir brauchen jeden Zuschauer als zwölften Mann. Es geht nicht nur um Austria, sondern um den gesamten österreichischen Fußball", richtet der Vizemeister einen Pauschalappell an die Anhänger.

"Zusammengehörigkeitsgefühl und ungeheure Moral"

Günter Kronsteiner spricht vom "attraktivsten Gegner", gegen den seine Truppe in dieser Saison antritt. Im Vergleich mit Real Saragossa, das im Herbst zu Gast war im Prater und mit einer Niederlage heimgeschickt wurde, stuft er die Basken um eine Klasse stärker ein. "Sie befinden sich im Aufwärtstrend, haben unheimlichen Biss, ein tolles Zusammengehörigkeitsgefühl und ungeheure Moral", sagt der Sportmanager über den Tabellenneunten der spanischen Primera Division, den man seit der Auslosung permanent beobachtet, studiert und analysiert hat.

"Es gibt nichts, was uns unbekannt wäre. Nur die Aufstellung kennen wir noch nicht. Trainer Ernesto Valverde neigt dazu, nach jedem Spiel teilweise gravierend umzustellen. Er hat eine große Zahl von Klassespielern, da ist es aber ohnehin unerheblich, wer zum Einsatz kommt", so der Steirer, der die Veilchen zu Hause nicht als Außenseiter sieht, aber unter Berücksichtigung beider Partien - das Rückspiel wird schon in der kommenden Woche (24. Februar) ausgetragen - das Verhältnis 40:60 Prozent einstuft. Das San Mames-Stadion sei eine Festung, die nur schwer zu nehmen sei.

Lüttich wurde abgeschossen

Das hat Bilbao erst wieder am Wochenende mit dem 4:4 nach scheinbar aussichtlosem 0:3-Rückstand gegen Betis Sevilla eindrucksvoll bewiesen, in der Meisterschaft ist der Klub schon seit 5. Dezember oder neun Runden ohne Niederlage. Dass Athletic aber auch auswärts Referenzen mitbringt, wurde im letzten Gruppen-Spiel des heurigen UEFA-Cups eindrucksvoll bewiesen. In Lüttich feierten Yeste, das Um und auf in der Kreativ-Abteilung (Kronsteiner: "Mit ihm hat es jede Verteidigung schwer"), und Co. gegen Standard einen 7:1-Kantersieg.

Die Qualitäten des Gegners mit ihrer sehr starken Offensive lassen die Violetten jedoch nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren. Ganz im Gegenteil. "Unsere Mannschaft kommt mir wie ein Rudel edler Rennpferde in den Startboxen vor, das nur darauf wartet, rausgelassen zu werden. Wir gehen nicht in diese Begegnungen, um uns ehrfurchtsvoll vom Bewerb zu verabschieden", sagt Generalmanager Toni Polster. Er habe Vertrauen in den Trainerstab und die Mannschaft, die gut vorbereitet sei. "Wenn der Funken überspringt, können wir vielleicht wieder eine magische Europacup-Nacht, eine Sternstunde erleben".

Der "Heimkehrer" spekuliert auch ein wenig mit der Müdigkeit des Gegners nach dessen Kraftakt gegen Betis. "Das könnte unsere fehlende Match-Praxis etwas wettmachen", so Polster. Für Kronsteiner ist der zu erwartende harte Boden möglicherweise ein kleines Plus. Man setzt aber auch auf die eigene Stärke. "Wir haben uns innerhalb eines Jahres in der Weltrangliste vom 183. auf den 49. Platz vorgearbeitet und uns weiter entwickelt. Wir sind in der Lage, Athletic zu fordern", so der Sportmanager.

"Wir haben die Qual der Wahl"

Hinsichtlich Aufstellung, über die er sich auf der Pressekonferenz am Dienstag in Anwesenheit von spanischen Journalisten nichts entlocken ließ, meinte er nur: "Wir haben die Qual der Wahl." Sicher scheint, dass für den verletzten Markus Kiesenebner der Pole Sebastian Mila im Mittelfeld ("Er kann auch die Stürmer in Position biringen".) sein Debüt geben wird. Der fehlenden Rhythmus soll mit der Routine der Austria ausgeglichen werden. Wenn Athletic eine Schwäche erkennen ließ, dann durch die Orientierung nach vorne in der Defensive.

"Wir werden von der ersten Sekunde keinen Zweifel aufkommen lassen, gewinnen zu wollen", so Kronsteiner. Die Spieler sehen die Ausgangsposition ähnlich. "Das ist der bisher schwierigste Gegner. Wichtig wird sein, dass wir nicht in Konter laufen, aber dennoch nach vorne spielen", meint Vladimir Janocko, und Ivo Vastic fügt hinzu: "Bilbao mit hervorragenden Individualisten ist sehr spielstark. Wir haben aber schon gegen Saragossa gezeigt, dass wir mit einer entsprechenden Kulisse auch solche Teams schlagen können."(APA)

Die technischen Daten und die möglichen Aufstellung für das Sechzehntelfinal-Hinspiel zum Fußball-UEFA-Cup: Austria Magna - Athletic Bilbao (Mittwoch, Wiener Happel-Stadion, 20.45 Uhr/live Premiere, Schiedsrichter Alon Yefet/Israel):

Austria: Didulica - Dospel, Afolabi, Antonsson, Papac - Sionko, Blanchard, Mila, Vachousek/Janocko - Rushfeldt, Vastic

Ersatz: Safar - Metz, Troyansky, Ratajczyk, Dheedene, Kitzbichler, Dosunmu, Gilewicz

Es fehlen: Kiesenebner (Muskelfaserriss/Oberschenkel), Petrous (im Europacup noch nicht spielberechtigt) Bei der nächsten Gelben Karte gesperrt: Janocko, Sionko, Vachousek

Athletic: Aranzubia - Iraola, Murillo, Luis Prieto, Casas - Etxeberria, Gurpegi/Orbaiz, Yeste, Del Horno - Ezquerro, Urzaiz/Llorente

Ersatz: Lafuente/Pampin - Karanka, Felipe, Arriaga, Solabarrieta, Guerrero, Oscar Cales, Bordas, Javi Gonzalez

Es fehlt: Tiko (gesperrt)

Rückspiel: 24. Februar: San Mames-Stadion (Bilbao, 20.45 Uhr/live Premiere/Schiedsrichter Grzegorz Gilewski/Polen)

Der Aufsteiger trifft im Achtelfinale zuerst daheim (10. März) und dann auswärts (16/17. März)auf den Sieger aus Fenerbahce Istanbul/Real Saragossa.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Austria geht gut vorbereitet ins Spiel gegen Bilbao.

Share if you care.